Arbeitszeugnis: Dazu ist der Arbeitgeber verpflichtet

Donnerstag, 16.03.2017

Arbeitgeber sind in Deutschland dazu verpflichtet, ihren Angestellten ein Arbeitszeugnis auszustellen. Das gilt zumindest immer dann, wenn das Beschäftigungsverhältnis endet. Ob es sich bei dem Zeugnisempfänger um einen Azubi oder den Geschäftsführer handelt, spielt dabei keine Rolle. Allerdings gilt: Wer beim Jobwechsel ein Zeugnis will, muss es explizit beim Chef anfordern.

Da das Zeugnis im weiteren Berufsleben eine große Rolle spielen kann, muss es formal und inhaltlich strengen Voraussetzungen genügen. Geschieht das nicht, kann der Angestellte Nachbesserung verlangen oder vors Arbeitsgericht ziehen. Diese Punkte muss der Arbeitgeber beachten:

Die Formalien im Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis muss in Schriftform vorliegen, die Erstellung am Computer gilt als Standard. Der Ausdruck hat auf Firmenpapier zu erfolgen, zumindest wenn auch für andere offizielle Schreiben im Unternehmen Firmenpapier verwendet wird. Zeugnisse sollten stets in einwandfreiem Zustand übergeben werden, dürfen also auch nicht gefaltet werden. Das Datum richtet sich nach dem Tag der Erstellung, nicht nach dem Tag des Ausscheidens.

Zur Zustellung des Zeugnisses ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet. Es genügt, wenn das Dokument zur Abholung bereitliegt und der Empfänger davon Kenntnis besitzt. 

Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen von Arbeitszeugnissen unterschieden: dem einfachen und dem qualifizierten. Das einfache Zeugnis enthält lediglich Fakten zur Art und Dauer der Tätigkeit. Eine Beurteilung der Arbeitsleistung oder des Sozialverhaltens erfolgt hier nicht. Dieses Zeugnis kann vor allem dazu genutzt werden, einen zeitlich lückenlosen Werdegang nachzuweisen.

Im qualifizierten Zeugnis findet sich auch eine Beurteilung der Arbeit und des Sozialverhaltens. Arbeitnehmer können bei ihrem Ausscheiden ein qualifiziertes Zeugnis verlangen. In bestimmten Fällen, zum Beispiel bei einem Wechsel des Chefs oder einer Beförderung, kann auch ein Zwischenzeugnis angefordert werden. Es folgt formal und inhaltlich weitgehend dem qualifizierten Zeugnis, legt also die Qualifikation sowie die Stärken und Schwächen des Beschäftigten dar. 

Der Inhalt im Arbeitszeugnis

Für den Inhalt eines Arbeitszeugnisses gelten zwei Grundsätze: Es muss der Wahrheit entsprechen und es muss „wohlwollend“ im Sinne des Empfängers verfasst sein. Erstaunen kann dabei vielleicht der zweite Punkt, der jedoch eine löbliche Absicht verfolgt: Dem scheidenden Mitarbeiter sollen trotz aller Wahrheitsliebe für die berufliche Zukunft nicht unnötig Steine in den Weg gelegt werden.

Die doppelte Auflage – wahr und wohlwollend – dürfte erheblich dazu beigetragen haben, dass sich eine Art Zeugnissprache entwickelt hat, die für Laien nicht immer verständlich ist. Kritik wird hier in vermeintlich positive Formulierungen verpackt, die gut klingen aber nichts Gutes aussagen.

Vorsicht für den Verfasser ist allerdings auch in diesen Fällen geboten: Das Bundesarbeitsgericht hat schon vor Jahrzehnten eindeutig geregelt, dass Zeugnisse einfach und verständlich sein müssen. Keinesfalls dürfen doppeldeutige Formulierungen oder Auslassungen dazu führen, dass für Dritte ein anderes, gar falsches Bild entsteht, als der Wortlaut ausdrückt. Ohnehin dürfen in ein Zeugnis nur Fakten einfließen, die für die allgemeine Darstellung des Angestellten von Relevanz sind. Kurze und damit irrelevante Tätigkeiten oder einmalige Verhaltensweisen in einer besonderen Situation spielen hier also keine Rolle.

Die Grenzen

Welche Form der Kritik zulässig ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Gesetzliche Standards im Sinne von Festlegungen gibt es hier nicht. Stehen in Ihrer Beurteilung jedoch Sätze wie „Er war bei Kunden schnell beliebt“ oder „Er hat es gut verstanden, alle Aufgaben mit Erfolg zu delegieren“, ist Skepsis angebracht. Schnell übersetzt die nächste Personalabteilung diese Codes als: „Verhandeln kann er nicht und faul ist er obendrein“.

Letztlich sind es Nuancen, die ein sehr gute von einer guten und eine gute von einer weniger guten Beurteilung trennen. So bewertet man „zur vollen Zufriedenheit“ in vielen Personalabteilungen nur wie Note 3, während die sprachlich glanzlose Formulierung „stets zur vollsten Zufriedenheit“ für die Note 1 steht.

Und wann lohnt für den Beurteilten der Gang zum Arbeitsgericht? Wohl nur, wenn es im Text statt wohlwollend klar böswillig wird. Ansonsten gilt: Abhaken und nach vorne schauen.

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