Advopedia Basiswissen: Das Supervermächtnis: Was ist das?

Freitag, 22.09.2017

Mit dem „Supervermächtnis“ wird Ehepartnern die Möglichkeit eröffnet, die Freibeträge der Erbschaftssteuer optimal zu nutzen, wenn einer der Partner stirbt. Das Supervermächtnis kann als sinnvolle Ergänzung des „Berliner Testaments“ gesehen werden. Es minimiert zugleich das Risiko, dass erbberechtigte Kinder schon beim ersten Todesfall ihren Pflichtteil einfordern.

Das Supervermächtnis ermächtigt dem überlebenden Ehepartner, die Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung an die Kinder selbst zu bestimmen. Er wird so in die Lage versetzt, auf persönliche Entwicklungen und die Höhe der Vermögenswerte flexibel zu reagieren. Gerade aufgrund dieser Freiheit setzt das Supervermächtnis ein tiefes Vertrauensverhältnis zwischen den Ehepartnern voraus.

Basis „Berliner Testament“

Beim „Berliner Testament“ setzen sich die Ehepartner wechselseitig zum Alleinerben ein. Es wird zugleich verfügt, dass die Kinder ihren Pflichtteil erst nach dem Tod des zweiten Ehepartners erhalten. Allerdings können die Kinder dem widersprechen und bereits nach dem Tod des ersten Ehepartners, von Vater oder Mutter, auf der Auszahlung ihres Pflichtteils bestehen.

Zweck des Supervermächtnisses

Das Supervermächtnis benennt zwar die Erben und den Zweck der Zuwendung, nicht jedoch deren Höhe und den Zeitpunkt. Dieser kann vom überlebenden Ehegatten nach billigem Ermessen bestimmt werden. Die Reglung birgt die Gefahr des Missbrauchs, hat jedoch erhebliche Vorteile bei der Ausnutzung der Freibeträge. Diese liegen derzeit bei 400.000 Euro pro Kind und 500.000 Euro für den Ehegatten.

Beispiel zur Anwendung des Supervermächtnisses

Nimmt man an, beide Ehegatten verfügen über je 600.000 Euro Vermögen, müsste der überlebende Partner als Alleinerbe bereit auf 100.000 Euro Erbschaftssteuern zahlen. Im Todesfall des zweiten Ehepartners vererbt er dann, ein stabiles Vermögen vorausgesetzt, bereits 1,2 Millionen Euro. Das Kind als Alleinerbe müsste nun, abzüglich des Freibetrages von 400.000 Euro für den zweiten Todesfall, auf 800.000 Euro Erbschaftssteuern entrichten – mit hoher Progression.

Hätte der zunächst überlebende Ehepartner dagegen von seinem Recht Gebrauch gemacht und dem Kind 100.000 Euro überlassen, wäre der eigene Freibetrag von 500.000 nicht überschritten worden, also keine Erbschaftssteuer angefallen. Auch das Kind bliebe zunächst steuerfrei, denn 100.000 Euro liegen im Rahmen des Freibetrages. Das Erbe nach dem Tod des zweiten Ehepartners würde zudem um 100.000 auf 700.000 Euro sinken, was erneut eine erhebliche Steuerersparnis bedeutet.         

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22.09.2017 14:20
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