Abmahnung nach Arbeitsunfall: Ist das erlaubt?

Mittwoch, 16.08.2017

Eine Abmahnung nach einem Arbeitsunfall? Das klingt zunächst hart, kann aber durchaus begründet sein. Vor allem bei selbst verschuldeten Unfällen sind arbeitsrechtliche Maßnahmen nicht selten. Neben dem Wegfall der Entgeltfortzahlung droht hier sogar die Kündigung.

Wer einen Arbeitsunfall fahrlässig verschuldet, gerät nicht selten in einen Strudel negativer Auswirkungen. Neben möglichen Verletzungen und dem damit verbundenen Arbeitsausfall drohen finanzielle Einbußen beim Lohn sowie hohe Schadenersatzforderungen.

Die Abmahnung erfüllt hier ihre Kernfunktion: Sie warnt vor Wiederholung und dokumentiert den Pflichtverstoß, der zum Unfall geführt hat.

Wann ist eine Abmahnung nach einem Unfall berechtigt?

Mit einer Abmahnung weist der Arbeitgeber auf ein Fehlverhalten hin, das letztlich einen Bruch des Arbeitsvertrages darstellt. Würde er dies nicht tun, müsste man auf Dauer von einer stillschweigenden Akzeptanz ausgehen. Letztlich kommt der Arbeitgeber mit der Abmahnung nach einem vom Arbeitnehmer verschuldeten Unfall also seiner Fürsorgepflicht nach.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass von Arbeitgeberseite aus im Vorfeld alles getan wurde, das Unfallrisiko zu senken.

Hartes Urteil vom LAG aus Mainz

Im konkreten Fall eines Gabelstapler-Unfalls hatte das Landgericht Rheinland-Pfalz bereits 2004 entschieden (Az.: 7 Sa 1201/03), dass eine Abmahnung des Unfallfahrers sogar unabhängig von einem Beweis des Schuldvorwurfs gerechtfertigt ist. Zentraler Punkt der Abmahnung sei, dass bei dem Unfall das Eigentum des Arbeitgebers beschädigt worden sei. Anders stelle sich dies nur im Falle einer damit verbundenen Kündigung dar, bei der die „subjektive Vorwerfbarkeit“ dann einbezogen werden müsse.

Fazit

Die Abmahnung nach einem Arbeitsunfall muss auf dem beanstandeten Verhalten beruhen, das vom Arbeitgeber konkret zu erläutern ist. Dabei muss deutlich werden, gegen welchen Paragraphen des Arbeitsvertrages verstoßen wurde und zu welchen arbeitsrechtlichen Folgen neuerliche Verstöße führen würden.

Dass das Fehlverhalten zu einem Arbeitsunfall geführt hat, ist für die Abmahnung jedoch nicht maßgeblich.

Eine Abmahnung oder gar Kündigung nach einem unverschuldeten Arbeitsunfall ist unberechtigt, so sie mit diesem Unfall in Zusammenhang gebracht wird. Handelt es sich dagegen um eine Kündigung in der Probezeit nach einem unverschuldeten Arbeitsunfall, kann diese problemlos erfolgen, selbst wenn der Arbeitnehmer erheblich verletzt wurde. Ein Zusammenhang besteht hier nicht.  

Mann auf einer Leiter

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16.08.2017 14:25
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