Wegwerfkinder

Sonntag, 24.05.2015 PK

John Baker hatte es eilig, als er auf dem Weg zu seinem Auto noch schnell den Müll mit raus nahm. Und fast wäre ihm entgangen, dass sich in der Mülltonne etwas bewegte. Aus all dem Dreck und Unrat ragte plötzlich eine keine Hand hervor. Und als Baker sie berührte, umklammert die kleine Hand seinen Zeigefinger. Es war die Hand von Angel Ramirez-Marinero, einem elf Monate alten Jungen. Weggeworfen, damit er stirbt…

Zugetragen hat sich diese Tragödie weit weg in Omaha (US-Bundesstaat Nebraska) – und zum Glück wurde der kleine Junge gerettet. Aber ist das wirklich so weit weg? Leider nicht: Allein 2014 wurden in Deutschland 23 Wegwerfkinder gefunden, davon nur sieben, die noch lebten und jetzt in Pflegefamilien aufgenommen wurden (das berichtet die Kinderhilfsorganisation „terre des hommes“). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 16 Babies nur noch tot geborgen werden konnten. Man kann also wohl nur von einem glücklichen Zufall sprechen, wenn ein Wegwerfkind zu einem Findelkind wird.

Nur wenige Mütter wollen ihr Kind zurück 

So auch im Fall eines kleine Jungen, der im Sommer 2013 kurz nach der Geburt auf einem Parkplatz im niederländischen Roermond ausgesetzt worden war. Eingehüllt in eine blaue Babydecke haben Passanten das Kind gefunden. Die leibliche Mutter will nun den Kleinen, der zurzeit bei einer niederländischen Pflegefamilie untergebracht ist, zurück. Das ist ziemlich schwer zu verstehen, denn die Frau hat zugegeben, bereits 2011 eine neugeborene Tochter in der Nähe von Hürth abgelegt zu haben. Da kann man dem kleinen Jungen eigentlich nur wünschen, dass er nicht zu so einer Mutter zurück muss – späte Reue hin oder her.

Die besten Chancen für ungewollte Kinder

Viele werden sich jetzt fragen: Wozu gibt es eigentlich Babyklappen? Diese Frage ist berechtigt, denn davon gibt es in Deutschland rund 80 – dazu kommen 250 Angebote für anonyme Geburten, bei denen eine Hochschwangere im Krankenhaus ohne Angabe ihres Namens entbindet und das Kind dann in der Klinik zurücklässt. 

Findelkinder auf der Suche nach sich selbst

Niemand hat eine Antwort darauf, warum verzweifelte junge Mütter diese Angebote nicht wahrnehmen. Doch auch die Findelkinder selbst bleiben ihr Leben lang mit ihren Fragen allein. So etwa Katheryn Deprill, die am 15. September 1986, wenige Stunden nach ihrer Geburt auf der Toilette einer Burger-King-Filiale in Allentown / USA, in eine Plastiktüte gestopft, liegengelassen worden war. Selbst die Nabelschnur war noch nicht durchtrennt. Die heute 29-Jährige ist seit Jahren auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter, um ihr zu sagen, dass es ihr gut geht. Und auch wenn diese ominöse Mutter kein Interesse an ihrer Tochter haben sollte – Katheryn ist glücklich, dass sie damals nicht abgelegt wurde, um zu sterben, sondern um gefunden zu werden…

Teddy im Müll

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24.05.2015 06:53
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