Wegen Stöckelschuhen auf die Matte gegangen

Freitag, 22.07.2016 PK

Augen auf beim Stiletto-Lauf“ – so könnte das Motto eines Gerichtsverfahrens lauten, in dem eine Frau versucht hatte, Schadensersatz und Schmerzensgeld einzuklagen, weil sie nach einem Theater-Besuch regelrecht auf die Matte gegangen war…

Doch der Reihe nach: Eine Theaterbesucherin in Marl stöckelte so elegant sie konnte aus der Vorstellung und verfing sich mit den Pfennigabsätzen in einer Schmutzfangmatte. Solche Matte haben kleine Löcher, in denen Pumps leicht stecken bleiben und die Trägerin unkontrolliert zu Fall bringen. So auch die Klägerin in diesem Verfahren: Wegen eines gebrochenen Mittelfußknochen verlangte sie von der Stadt Marl eine Gesamtentschädigung von 5.750 Euro.

Hingucken oder andere Schuhe anziehen

Doch daraus wurde nichts: Schon in der ersten Instanz, dem Landgericht, scheiterte die Anspruchstellerin. Und nun gab ihr auch das Oberlandesgericht Hamm zu verstehen, dass sie auch in einer Berufungsverhandlung leer ausgehen würde. Denn wer in Stöckelschuhen unterwegs ist, muss besonders auf mögliche Gefahrenquellen wie eine Schmutzfangmatte achten – bei einem Sturz jedenfalls ist man für seinen Schaden selbst verantwortlich.

Lochmatten sind keine Gefahrenquellen

Ja, gibt es denn keine Verkehrssicherungspflicht seitens der Stadt? Klar, gibt es die – gerade deswegen hat ja die Schmutzfangmatte dort gelegen. Zu dem Zweck nämlich, Theaterbesucher davor zu bewahren, auf dem Schmutz, den andere dort von ihren Schuhen verlieren, auszurutschen. Offenbar kann man es aber nicht allen recht machen. Und wer Pumps mit hohen Absätzen trägt, hat eben   genau darauf zu achten, wo er hintritt. Laut Gericht stellte die hier ausgelegte Gummimatte „keine abhilfebedürftige Gefahrenquelle dar.“

Vielleicht den Falschen verklagt 

„Es ist keine Überraschung, dass solche Matten zur Stolperfalle werden können,“ sagten die Richter. Immerhin sei die Gefahr für alle Theaterbesucher klar erkennbar gewesen. Na ja, einen Versuch war’s vielleicht trotzdem wert. Womöglich hätte die Dame aber besser damit argumentieren sollen, dass sie die Matte wegen ihrer vielen Tränen anlässlich des anrührenden Ausgangs des Theaterstückes nicht habe erkennen können. Aber dann hätte sie wohl besser den Regisseur für ihren erlittenen Schaden in Anspruch nehmen müssen...

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Hamm, Beschluss vom 13.04.2016 – 11 U 127/15

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Wegen Stöckelschuhen auf die Matte gegangen
„Augen auf beim Stiletto-Lauf“ – so könnte das Motto eines Gerichtsverfahrens lauten, in dem eine Frau versucht hatte, Schadensersatz und Schmerzensgeld...
/news/kurios/wegen-stoeckelschuhen-auf-die-matte-gegangen
22.07.2016 12:26
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