Wie oft muss ein Fisch an der Angel hängen, damit er endlich sterben darf?

Donnerstag, 09.07.2015 MLK

Bitte was? Über diese Frage haben sich bisher die Wenigsten Gedanken gemacht. Ein Fisch hängt an der Angel, wird getötet und dann gebraten und gegessen, oder nicht? War das nicht immer so? Wieso sollte man ihn öfter als nötig einem Todeskampf aussetzen?…

Das fragen Sie am Besten die Besucher einer Angelteichanlage in Vreden. Denn diese Anlage bietet einen Teich mit Forellen, Stören, Welsen, Karpfen und Hechten. Die armen Fische werden dann geangelt. So weit, so gut. Doch an Land kriegen sie dann den Haken ohne Betäubung aus der Backe gezogen und müssen danach noch Topmodel spielen. Ja, richtig gehört: Der stolze Angler darf mit seiner Trophäe ein Bild schießen. Das einzige, was den Fischen erspart bleibt, ist Puder und Make-Up – wir sind ja nicht bei Heidi Klum.

Meiner ist der längste!

Um sich mit seinen Kumpels messen zu können, werden die Fisch-Trophäen dann vermessen. Am nächsten Stammtisch heißt es wahrscheinlich: „Meiner ist der längste!!!“ Neben den Fotos „mein Haus, mein Auto, mein Pferd“ wird dann sicher noch „mein Fisch“ gelegt. Für Beweisbilder wurde ja gesorgt.

Und wie oft muss ein Fisch posen?

Jetzt fragen Sie sich sicher: wieso „wie oft“? Einmal reicht doch, dann muss er sterben. Nein, leider nicht. Denn nach dieser ganzen Prozedur werden die Fische wieder lebendig in den Teich geworfen, bis sie erneut an der Angel hängen. Und das Spiel geht von vorne los. Wer hätte gedacht, dass der Tod mal das geringere Übel sein könnte. Denn nur weil sich menschliche Teenies um den Job als Topmodel reißen, heißt das nicht, dass das auch der Traumberuf eines Fisches sein muss…

Tierquälerei

Da die Fische sich nicht wehren können, machten das nun die Tierschützer. Denn nachdem die Anlage in Vreden in den Medien kritisiert wurde, sah sich der Kreis Borken gezwungen zu handeln und erließ eine Ordnungsverfügung. Damit wurde der Angelteichbesitzer gezwungen, dafür zu sorgen, dass die Tiere nach dem Angeln betäubt und dann getötet werden. Sie dürfen also nicht wieder in den Teich geworfen werden. Eigentlich.

Keine Schmerzzufügung ohne vernünftigen Grund!

Denn der Besitzer klagte gegen diese Verfügung. Und wieder gingen lange Wochen der Qualen ins Land. Doch am Ende entschieden die Richter dann doch noch für die Fische: Die sogenannte „Catch and Release“-Praxis, die der Besitzer als Freizeitvergnügen anbietet, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Denn Tieren darf ohne vernünftigen Grund - z.B. zur Nahrungsgewinnung - kein Schmerz oder Leid zugefügt werden. Und damit steht die Antwort fest: Den Tod erspart dieses Urteil den Fischen zwar nicht, aber dafür müssen sie nicht öfter den Todeskampf mitmachen. Und dürfen danach ehrenvoll ihrer Bestimmung gerecht werden: als leckere Fischstäbchen und Forelle blau mit Sauce und Salzkartoffeln…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen Beschluss v. 3.7.2015 , 20 B 209/15

§ 1 TierSchG

Angler posieren mit Fisch

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09.07.2015 15:16
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