Wer die Schule schwänzt, wird eingesperrt

Mittwoch, 11.02.2015 PK

Jeden Tag schwänzen rund 200.000 Schüler den Unterricht, schätzt der Deutsche Lehrerverband. Um das zu unterbinden, lassen sich die verschiedenen Bundesländer allerlei Maßnahmen einfallen. Und die können ganz schön drastisch ausfallen…

Vor allem Schüler zwischen 14 und 16 Jahre bleiben gern dem Unterricht fern. Und seit Jahren versuchen die Bundesländer, das zu unterbinden. Aber gutes Zureden hilft offenbar nicht bei jedem. Deshalb drohen in Sachsen und Thüringen den hartnäckigen Blaumachern Geldstrafen: von fünf Euro beim ersten Verstoß bis zu 1500 Euro bei permanenter Schulverweigerung. Und wer nicht zahlen kann oder will, muss die Strafe im Gefängnis absitzen.

100 Dauerschwänzer im Knast

Gibt’s das wirklich? Verlasst Euch drauf: Im vergangenen Jahr saßen vier Schüler aus Sachsen im Knast. Hamburg hat im Jahr 2013 sogar 100 Dauerschwänzer weggesperrt – meist für zwei Tage. Ob das allerdings motivationsfördernd wirkt auf Kinder, die meistens sowieso schon anderweitig gelagerte Probleme haben, mag sich einem nicht wirklich erschließen.

Ein paar haben es besser

Niedersachsen und Bremen gehen mit Schulschwänzern nachsichtiger um. Dort werden sogenannte „Beratungs- und Unterstützungszentren“ tätig: Sie sprechen mit den Schülern und deren Eltern, organisieren Unterricht in kleinen Gruppen oder auf einer Tierfarm. Dieses Programm scheint Erfolg zu haben. Dennoch lassen sich auch dort durchschnittlich pro Jahr 500 Bremer Jugendliche nicht in der Schule blicken.

Wo liegen die Ursachen fürs Schwänzen?

Ursache fürs Schwänzen sind übrigens oft Versagensängste und Mobbing. Und das dagegen keine zusätzlichen Strafen helfen, müssten eigentlich selbst Lehrer einsehen – jedenfalls diejenigen, die sich für die Probleme von Jugendlichen interessieren. Hoffen wir mal, dass es solche noch gibt.

Selbst die Eltern kommen hinter Gitter

Unterdessen setzen aber auch viele Schulbehörden auf Zwangsmittel gegen die Eltern. So musste eine Mutter, die ihren Sohn nicht zur Schule schickte, für sechs Monate ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main bestätigte in letzter Instanz zwei vorangegangene Urteile, da vorherige, mildere Strafen nichts bewirkt hatten. Ob der Sohn nun motivierter in die Schule geht? Wir wagen es zu bezweifeln.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Frankfurt/M.: 2 Ss 413/10

Jugendliche

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