Kundin macht ihrem Ärger Luft: Polizei-Einsatz im Friseursalon

Donnerstag, 31.03.2016 PK

An sich ist es recht ruhig in Waldkraiburg, der größten Stadt im Landkreis Mühldorf am Inn. Nicht so am 21. März: Aus Unzufriedenheit über einen Haarschnitt rastete die Kundin eines Friseursalons völlig aus. Am Ende musste die Polizei anrücken, und jetzt ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft…

Die Kundin kam mit einer Frisuren-Idee, die sie in der Zeitschrift „Frau im Spiegel“ entdeckt hatte. Doch schon kurz nach dem ersten Ansetzen der Schere gefiel ihr wohl die echte Frau im Spiegel – sie sich selbst nämlich – nicht mehr. Bereits das erste zaghafte Herumschnippeln an ihrem Pony veranlasste die Kundin, an den Künsten der Friseurin zu zweifeln, was sie auch lautstark deutlich machte. Der Streit gipfelte schließlich in einer Auseinandersetzung, bei der sich die beiden Kombattantinnen in die Haare kriegten. Die Folge: Die Kundin rief die Polizei - die auch brav anrückte - und zeigte die Friseurin aufgrund der angeblich verkorksten Frisur wegen Körperverletzung an. Am Tag darauf erschien die Friseurin ihrerseits auf der Polizeiwache und konterte mit einer Strafanzeige, weil die Kundin ihr an den Haaren gezogen hatte. Tatvorwurf: ebenfalls Körperverletzung.

Zeugen gab es wohl genug

Waldkraiburgs Polizeichef erklärte daraufhin, dass die Staatsanwaltschaft nun zu prüfen habe, ob der begonnene, aber unvollendet gebliebene Haarschnitt einen Straftatbestand erfüllt. Zeugen des Vorfalls gibt es genug: Vor dem Salon blieben die Leute stehen, um sich den Damen-Ringkampf – Eintritt frei! – nicht entgehen zu lassen. Wie ernst die Polizei den Einsatz einstuft, ergibt sich aus der Titelzeile ihrer Pressemeldung: „It’s nice to be important, but it’s more important to be nice“ (es ist nett, wichtig zu sein, aber es ist wichtiger, nett zu sein).

Wie viel Schmerzensgeld gibt es dafür?

Bleibt die Frage: Welche Konsequenzen hat ein verpfuschter Haarschnitt? Gibt es Schmerzensgeld? Nun, falls überhaupt, dann nicht viel: Das Landgericht Berlin sprach einer Kundin eine Gesamtsumme von 344,10 Euro zu, weil ihre Haare aufgrund eines misslungenen Färbeversuchs erheblich gekürzt werden mussten. Außerdem kommen Schmerzensgeldansprüche generell nur dann in Betracht, wenn infolge der Haarbehandlung dauerhafte Schäden am Haar oder der Kopfhaut entstanden sind oder die Kundin durch einen völlig misslungenen Haarschnitt quasi „entstellt“ ist. Die bloße Missachtung eines Kundenwunsches, selbst wenn das zu Verärgerung oder Enttäuschung führt, genügt nicht – so entschieden vom Amtsgericht München.

Blondinenwitze hin oder her: Wer haftet bei "Färbe-Unfällen"?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2002 – 23 O 539/01

Amtsgericht München, Urteil vom 07.10.2011 – 173 C 15875/11

Frisurenärger

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