Schim​panse Robby darf zu Hause bleiben – fürs erste

Sonntag, 20.12.2015 PK

Der Fall bricht uns das Herz: Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus, soll endlich „artgerecht“ gehalten werden und in eine Auffangstation für Schimpansen abgegeben werden. Das fordern Tierschützer vor Gericht. Doch was zunächst durchaus vernünftig klingt, bekommt einen bitteren Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Robby bereits seit fast 40 Jahren dort im Zirkus bei „seiner Familie“ lebt…

Wenn man den Tierschützern glaubt, ist Robby angeblich eine gequälte Kreatur. Der inzwischen 40 Jahre alte Schimpanse wurde in einem Zoo geboren, lebt seitdem ohne Artgenossen im Zirkus Belly. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte über Jahre hinweg mit der Kampagne „Rettet Robby“ für die Befreiung des letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus gekämpft, weil er „die meiste Zeit in einem winzigen Zirkuswagen leben muss, der lediglich ca. 10-12 Quadratmeter groß und nur ca. 2,30 Meter hoch ist. Sein Leben ist geprägt von endloser Langeweile.“  

Wer Robby besucht, ändert seine Meinung

Mit dieser spärlichen Information ausgestattet ist man geneigt, sich auf die Seite der Tierschützer zu stellen: Affen gehören nicht in einen Zirkus. Punkt. Das ändert sich indessen, wenn man Robby selbst besucht und Zirkuschef Klaus Köhler zu ihm in den Käfigwagen steigt. Dann teilt er sich erst einmal eine Banane mit dem Schimpansen. Der wiederum umarmt und krault Köhler. Der Mann und der Affe – seit 40 Jahren sind sie dicke Freunde. Und wenn Zirkuspudel Ted zu Robby darf, legt sich der Affe auf den Rücken und tollt mit dem Hund herum. Im 25 Quadratmeter großen Außengehege wirft er einen Ball, den Ted zurückholt. Zur Belohnung streichelt Robby den Hund dann. Unglücklich sein sieht normalerweise anders aus…

Vorläufig darf Robby zu Hause bleiben

Im Hauptverfahren des Verwaltungsgerichts Lüneburg soll es jetzt darum gehen, ob Robby nun sein Heim und seine Freunde (sprich: Bezugspersonen) verlassen muss oder ob er bleiben darf. Vorläufig darf er bleiben. Das konnte der Zirkus-Chef immerhin gegen einen behördlichen Bescheid des niedersächsischen Landkreises Celle in einem Eilverfahren durchsetzen. Zwar stellte das Gericht fest, dass die Einzelhaltung von Schimpansen tierschutzwidrig sei, allerdings sei eine Wegnahme des Tieres nur zulässig, wenn darüber hinaus eine erhebliche Vernachlässigung oder eine erhebliche Verhaltensstörung vorliege.

Lieben Affen ihre Menschen?

Schade, dass man den armen Kerl nicht selbst fragen kann. Denn was geschieht wohl mit einem Wesen, dem man die Familie wegnimmt. Die Richter sollten überdies auch bedenken, dass Schimpansen in Robby’s Alter bereits die letzte Lebensphase erreicht haben – in menschlicher Obhut werden sie etwa 50 Jahre alt, in freier Natur nur 40. Was brächte es also, einen Affen im Rentenalter zu entwurzeln, damit er dann vor Kummer stirbt – außer, dass ein paar Tierschützer sich profilieren können? Wir erwarten hier einen ziemlich sinnlosen Kampf der Gutachter.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Beschluss des VG Lüneburg vom 03.12.2015 – 6 B 146/15

Hauptverfahren VG Lüneburg 6 A 461/15

Alter Schimpanse

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