Endlich wissen wir, wo Dunkeldeutschland liegt

Samstag, 06.02.2016 PK

Es ist der 160-Seelen-Ort Klein Kienitz, südlich von Berlin, wo kein Licht mehr brennt. Jedenfalls auf den Straßen nicht: Alle 130 Laternen mussten abgeschaltet werden, weil sie sonst nach einem Kabelbruch unter Spannung stehen würden. Schon eine kurze Berührung könnte dann nämlich nicht nur zu einer neuen Struwwelpeter-Frisur verhelfen, sondern auch dazu, dass einem selbst die Lichter ausgehen – für immer…

Insofern tut die Gemeinde gut daran, den Strom gleich ganz abzudrehen, bis genug Geld für eine Reparatur des defekten Kabels in der Kasse ist. Zumal die Schadensersatzforderungen im Falles eines Stromschlages  recht eindrucksvoll ausfallen können, wie einige vorangegangene Fälle belegen:

Hund tot, Herrchen überlebt

So starb zum Beispiel im Januar 2015 in Hamburg ein Hund, der in eine unter Strom stehende Pfütze lief. Sein Herrchen erlitt ebenfalls einen Elektroschock, als er seinem treuen Freund zur Hilfe eilte und das Tier berührte. Er überlebte nur aus einem einzigen Grund: Menschen haben Schuhe an, Hunde nicht. Und Schuhsohlen isolieren immerhin ein bisschen. Ursache des Unglücks: Die elektrische Versorgung für eine Baustelle verlief genau durch die Pfütze – und eines der Kabel war „blank“. Die Kripo ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Pfusch bei der Nachbarschaftshilfe

Wären die Verletzungen des Mannes schwerer gewesen, hätte das mit Sicherheit extreme finanzielle Folgen für den Verursacher gehabt. So wie in einem Fall aus Rheinland-Pfalz: Ein Elektromeister installierte dort in Nachbarschaftshilfe eine Außenbeleuchtung – offenbar ohne abschließende Sicherheitsüberprüfung. Ein Fassadenarbeiter erlitt deshalb später einen Stromschlag mit verheerenden Folgen: Er wurde zum lebenslangen Pflegefall.

Das Lebenslicht beinahe verloschen

Das Gericht kannte keine Gnade: Der Elektromeister haftet für die Folgen seiner unzulänglichen Arbeit: Das Oberlandesgericht Koblenz verurteilte ihn zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 600.000 Euro und eine lebenslange monatliche Geldrente. Da dürfte ihm zumindest für die Zukunft mindestens ein Warnlicht aufgegangen sein. Das Unfallopfer erwartet aufgrund seiner Behinderungen leider eine dauerhaft dunkle Zukunft. („Manchmal ist es besser, dem Nachbarn nicht zu helfen!“)

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Koblenz – 5 U 311/12

Cartoon: Stromschlag

Weitere Artikel

article
5798
Schadensersatzforderungen nach Stromschlag
Es ist der 160-Seelen-Ort Klein Kienitz, südlich von Berlin, wo kein Licht mehr brennt. Jedenfalls auf den Straßen nicht: Alle 130 Laternen mussten abge...
/news/kurios/schadensersatzforderungen-nach-stromschlag
06.02.2016 13:20
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/unfall-stromschlag-cartoon-getty_images/114931-1-ger-DE/Unfall-Stromschlag-Cartoon-getty_images_contentgrid.jpg
Kurios

Kommentare