Schadensersatzforderungen an VW-Manager: Wer hoch fliegt, fällt tief

Montag, 09.11.2015 PK

Top-Manager in einem Wirtschaftskonzern – derzeit bestimmt kein Traumjob. Denn viele Top-Manager fürchten sich vor Schadensersatzforderungen, wenn ihre Entscheidungen nicht immer ganz gesetzeskonform waren. Was zum Beispiel den VW-Managern im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal drohen könnte – hier eine vorläufige Einschätzung:

Da sind zum einen die immensen Kosten für die Nachrüstung der Millionen Autos, deren Abgaswerte auf dem Papier mit der Realität nicht einmal Ähnlichkeit haben. Ganz zu schweigen von den hinterzogenen Steuern, weil die Autos ja aufgrund ihrer vermeintlichen Umweltverträglichkeit günstiger besteuert werden als alte Räucheröfen. Außerdem warten wir derzeit noch auf die ersten US-Bürger, die ihren Hustenreiz auf die technischen Unzulänglichkeiten bei VW zurückführen und dafür Schmerzensgeld in Millionenhöhe vor Gericht erstreiten wollen…

Eine Spezialversicherung für Manager

Alles nicht so schlimm? Dieser Eindruck schwindet von Tag zu Tag mehr. Und am Ende stellt sich die Frage: Wer zahlt das alles? Eine Kapitalgesellschaft wie VW kann durchaus versuchen, sich das Geld von den verantwortlichen Ingenieuren ersetzen zu lassen – nur wird da nicht allzu viel zu holen sein. Bessere Aussichten auf Erfolg dürfte es deswegen haben, die Schuld für den Schaden aller Außenstehenden auf die Vorstände, Aufsichtsräte und leitenden Angestellte abzuwälzen, weil sie fahrlässig gehandelt haben. Denn dafür gibt es in den meisten Konzernen ein spezielle Versicherung: die „D&O-Police“ (Directors and Officers), eine Art Manager-Haftpflicht. 

Keine Strafe für Milliardenschäden?

Man kann fest davon ausgehen, dass diese Versicherung zumindest einen großen Teil des Schadens bezahlen wird. Denn verweigern kann die Versicherung die Zahlung nur, wenn dem Vorstand nachgewiesen wird, er habe die manipulierte Software vorsätzlich herstellen lassen oder zumindest wissentlich die Rahmenbedingungen dafür geschaffen. Aber das ist kaum vorstellbar – die Versicherung würde also zahlen müssen. Wir hören schon jetzt den Aufschrei: „Die können Milliardenschäden anrichten, und kommen mit einem blauen Auge davon!“

Ab wann es für Manager richtig teuer wird

Ganz so gemütlich ist es dann doch nicht. Denn die versicherten Manager müssen einen Selbstbehalt von 10 Prozent tragen. Seit 2009 steht nämlich im Aktiengesetz, dass die „D&O-Versicherung“ maximal 90 Prozent des Schadens übernehmen darf. Aber ob das wirklich hilft, einen Manager zu mehr Sorgfalt zu zwingen? Sollte es eigentlich. Doch was den Verantwortlichen im Moment tatsächlich Angst macht: Man munkelt in der Versicherungsbranche, VW habe nur eine „D&O“ über 500 Millionen Euro abgeschlossen. Schäden, die darüber hinausgehen, zahlen die Manager aus eigener Tasche. Wenn das stimmt, dürfte das dann wohl für einzelne der komplette Absturz sein. 

Wie viel Schmach verkraftet eine Seele

Und das nicht nur finanziell, sondern auch seelisch. Ein Beispiel dafür ist der ehemalige Siemens-Vorstand Neubürger: Er war in einen der größten Korruptions-Skandale der Nachkriegszeit verwickelt. Nach Abschluss des Rechtsstreites nahm sich Neubürger am 5. Februar 2015 das Leben.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 93 Abs. 2 AktG

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