Querschnittslähmung durch Sex – Versicherung muss zahlen

Freitag, 30.01.2015 PK

Wenn’s nicht so tragisch wäre, wär’s schon fast komisch: Eine Frau behauptete, beim Sex aus dem Bett gefallen zu sein und sich dadurch eine Querschnittslähmung zugezogen zu haben. Glaubwürdig war ihre Schilderung allerdings nicht – denn letztlich lief die darauf hinaus, dass sie von ihrem „bockigen Hengst“ abgeworfen worden war...

Die Klägerin wollte von ihrer Unfallversicherung 775.000 Mark, weil sie durch einen Unfall beim Geschlechtsverkehr querschnittsgelähmt war. Die Schilderung des Vorfalls indes mutet etwas sonderbar an: Sie sei rittlings auf ihrem auf dem Rücken liegenden Partner gesessen und habe aufgrund einer heftigen Bewegung das Gleichgewicht verloren. Beim Sturz aus dem Bett sei sie dann mit dem Gesäß auf den metallenen Bettrahmen aufgeschlagen.

Ein unglaubwürdiges Sex-Märchen

Diese Schilderung zweifelte die in Anspruch genommene Versicherung jedoch an: Der Aufprall könne keinesfalls zu einer Querschnittslähmung geführt haben. Vielmehr sei diese eine Folge heftiger Bewegungen gewesen. Und Verletzungen durch Eigenbewegungen erfüllen nun einmal nicht den Tatbestand des „Unfalls“. Kein Unfall, kein Versicherungsfall, kein Geld!

Die Richter wissen, wie man „es“ macht

Das Oberlandesgericht Düsseldorf äußerte zuerst ebenfalls Bedenken hinsichtlich der Unfallschilderung, weil es keine Verletzungsspuren gab, die auf einen Aufprall hindeuteten. Zudem, so die Richter, sei „schwer vorstellbar, wieso die Klägerin nicht lediglich nach hinten weggekippt, sondern regelrecht weggeschleudert worden sein will“. 

Worauf es wirklich ankommt

Schlussendlich kam es aber auf diese Frage gar nicht mehr an. Denn die Richter entschieden: „Geschlechtsverkehr ist ein von außen auf den Körper wirkenden Ereignis. Und wenn man dabei plötzlich ungewollt verletzt wird, etwa durch die Bewegungen des Partners, sind alle Voraussetzungen für einen Unfall erfüllt“. 

Bitte schließen Sie den Sicherheitsgurt

Folglich gab das Gericht der Klägerin doch noch Recht. Warten wir mal ab, wann der TÜV für Sex im Bett Airbags oder Sicherheitsgurte vorschreibt. Es soll ja Leute geben, die sich dabei „anschnallen“ – nur aus Sicherheitsgründen selbstverständlich.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 21.09.1999: 4 U 153/98

Handschellen am Bettgestell

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30.01.2015 07:05
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