Passiv kiffen kostet den Führerschein

Samstag, 14.02.2015 PK

Samstagabend, Verkehrskontrolle. Bei einem Autofahrer auf der A8 schlägt der Drogentest positiv auf THC an. Das bedeutet: Er hat Cannabis (Haschisch) konsumiert. Doch der Autofahrer wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Beschlagnahme seines Führerscheins. Denn er behauptet, er hätte den Stoff quasi passiv (mit)geraucht…

Wir kommen gleich noch darauf, ob „passiv kiffen“ überhaupt funktioniert oder ob es eine faule Ausrede war. Der Richter vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ließ diese Frage jedenfalls erst einmal offen, weil sie für seine Entscheidung keine Rolle spielte. Denn „selbst wenn die Droge nicht aktiv zu sich genommen wurde, handele es sich gleichwohl um eine bewusste Einnahme“, hieß es später in der Urteilsbegründung. Der Mann sei „eine Gefahr im Straßenverkehr“, bekräftigte das Gericht.

Die Ausrede zieht vor Gericht nicht

Es half dem Mann also nicht, dass er eigenen Angaben zufolge gar nichts geraucht hatte, sondern sich, lediglich vom Rauchen seiner Freunde bekifft, ans Steuer gesetzt hatte. Wie dem auch sei: die Menge THC in seinem Blut war jedenfalls so reichlich, dass eine Teilnahme am Verkehr nicht mehr in Frage gekommen war. Sein Führerschein blieb daher dauerhaft in staatlicher Verwahrung.   

Der Stoff, aus dem die Träume sind?

Beschäftigen wir uns mit dem Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol): Ist diese Substanz tatsächlich in nennenswerter Menge nachweisbar, wenn die Person nur passiv geraucht hat? Eine deutsche Forschergruppe hat dazu eine Studie mit zwei unterschiedlichen Ergebnissen veröffentlicht: Versuch 1 - unter Extrembedingungen (fünf Passiv-Kiffer in einem Kleinwagen) konnten tatsächlich hohe THC-Werte im Blut nachgewiesen werden. Nettes Ergebnis, aber doch eher etwas weit weg vom normalen Alltag… Doch was passiert, wenn die Probanden unter realistischeren Bedingungen geprüft werden? 

Acht Laborratten in dicker Luft

Versuch 2: Die Forscher setzten acht Personen – je vier Männer und Frauen – die noch nie gekifft hatten, in einen niederländischen Coffeeshop. Nach drei Stunden „extrem dicker Luft“ (bis zu 25 Personen kifften gleichzeitig, zusätzlich wurden 8 Gramm Cannabis in einem Aschenbecher verbrannt) konnte bei keinem(!) Probanden der gesetzlich bedenkliche Schwellenwert von 25 ng/ml im Urin gemessen werden. 

Lieber auf Nummer sicher gehen

Zwei Studien, zwei Ergebnisse. Trotzdem ist es wahrscheinlich besser, sich aus Räumen, in denen gekifft wird, zu verabschieden – falls man vorhat, Auto zu fahren. 

Wir warten natürlich jetzt mit Spannung auf die Ausrede eines betrunkenen Autofahrers, er hätte passiv gesoffen, weil ihm der Tresennachbar einen Drink ins Gesicht gekippt hat…

Noch mehr zu diesem Thema?

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Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen  9 L 541/14

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14.02.2015 10:01
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