Nach Klo-Besuch zehn Jahre verschollen

Mittwoch, 04.05.2016 PK

Ein Fussball-Fan lebte fast elf Jahre auf der Straße, weil er sich nach einem Spiel im Stadion verirrt hatte und seine Kumpels ohne ihn nach Hause fuhren…

Fünf Minuten vor Spielende der Partie FC-Basel gegen Inter Mailand – wir schreiben den 24. August 2004. Inter Mailand führt 4:1. Doch Fußball-Fan Rolf Bantle kann das Spielende nicht abwarten, weil seine Blase drückt. Also macht sich der Mann auf den Weg zu den Toiletten im Giuseppe-Meazza-Stadion. Noch bevor er wieder zurück auf die Tribüne kommt, ist das Spiel abgepfiffen und die Zuschauer strömen durch die Ausgänge ins Freie. Bantle verliert die Orientierung in den Gängen des Stadions. Als er endlich wieder Tageslicht sieht, ist er mutterseelenallein. Die Menschen weg, die Parkplätze leer – auch das Auto, mit dem er und seine Kumpels von Basel aus angereist sind, ist verschwunden.

Traurige Karriere als Bettler

Da steht er nun. Gerade noch 20 Euro und 15 Schweizer Franken in der Tasche. Sicher hätte er zu Hause in seinem Wohnheim angerufen, wenn ihm denn die Telefonnummer eingefallen wäre. Doch Bantle, der gern, oft und viel Alkohol trinkt, hat die Nummer aber vergessen. Er bleibt in Mailand – obdachlos, ohne Geld…insgesamt elf Jahre!

Niemand hat ihn vermisst

Während dieser langen Zeit lebt er von dem, was er sich zusammenschnorren kann. Dazu gehört auch der Schlafsack, in dem er die Nächte im Freien verbringt. Ins Heim zurück will der Mann nicht, auch wenn er sich manchmal nach einem Dach über dem Kopf sehnt. Merkwürdig ist, dass ihn offenbar niemand vermisst oder zumindest für tot erklären ließ. Denn in Deutschland wäre das durchaus möglich. Laut Verschollenheitsgesetz gibt es dafür verschiedene Fristen:

• Allgemeine Verschollenheit: 10 Jahre ab letzten Lebenszeichen (5 Jahre bei Personen älter als 80 Jahre)

• Soldaten im Krieg: 1 Jahr ab dem Ende des Jahres, in dem der Krieg endete

• Schiffsuntergang: 6 Monate ab Untergang, § 5 Abs. 1 VerschG

• Flugzeugabsturz: 3 Monate ab Absturz

Ein Beinbruch als rettender Glücksfall

Doch Rolf Bantle, inzwischen 71 Jahre alt, taucht wieder auf: 2015 bricht er sich ein Bein, kommt in ein Mailänder Krankenhaus und wird schließlich zur Uniklinik Basel überstellt. Und das alles nur, weil er keine Krankenversicherung hat und die Mailänder Klinik ihn nicht weiter kostenlos behandeln will. Irgendwie ein ziemlich kurioser Glücksfall, denn seine Sehnsucht nach einem Dach über dem Kopf hat sich nun erfüllt: Der Mann lebt heute in einem Altenheim bei Basel und freut sich, dass sein Lieblings-Club, der FC Basel, Tabellenführer ist.

„Schatz, ich bin dann mal tot“

„Rente auch für Totgeglaubte“

"Warum ein Amerikaner beweisen muss, dass es ihn gibt"

 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 3 Abs. 1 VerschG, § 4 Abs. 1 VerschG, § 5 Abs. 1 VerschG, § 6 VerschG

Obdachloser

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04.05.2016 11:30
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