Voll ins Klo gegriffen

Freitag, 07.11.2014 PK

Riskiert man seinen Job, wenn man auf dem Firmenklo einschläft? Und wie wehrt man sich, wenn man die Toilettengänge seiner Nachbarn hört? Hier die Beweise, dass das stille Örtchen gar nicht so still ist, wie Sie immer geglaubt haben:

Spülung ist unwichtig

Das stellten die Richter vom Landgericht Hamburg (313 S 78/02) fest. Pech für Reisende, wenn im Katalog zwar eine Toilette versprochen wurde, aber ohne die Bezeichnung „WC“. Dann muss man eben hinnehmen, ein Plumpsklo vorzufinden.

Auf dem Klo eingeschlafen

Bei einem Kontrollgang blickte der Chef unter der verschlossenen Toilettentür durch und sah, dass einer seiner Mitarbeiter dort saß, aber die Hose noch anhatte. Darauf kündigte er dem Mann, weil er die sanitären Anlagen zum Schlafen genutzt hatte. 

Nicht bewiesen, urteilten die Richter – Kündigung unwirksam (LAG Hamm:15 Sa 463/04). 

Gehaltskürzung wegen langer Sitzung

Wegen zu viel Zeit auf der Toilette wurde einem Angestellten das Gehalt um ein Viertel gekürzt. Der Chef hatte die Aufenthalte dort zum Teil protokollieren lassen und dann eine Hochrechnung vorgenommen. So geht’s nicht, urteilte das Kölner Arbeitsgericht (6 Ca 3847/09).

Chinaböller auf dem Donnerbalken

Der Vorarbeiter einer Baufirma warf zum Zwecke der Stimmungsaufhellung einen Böller in ein Dixi-Klo, während ein Kollege es nutzte. Dieser wurde durch den derben Scherz an empfindlichen Körperteilen verletzt. Der Vorarbeiter bekam die fristlose Kündigung. Zu Recht, fanden die Richter am Arbeitsgericht Krefeld ( 2 Ca 2010/12).

In treuer Pflichterfüllung

Ein Polizist klemmte sich die Finger in der Toilettentür an seiner Dienststelle. Für ihn ein klarer Fall: Dienstunfall! Jedoch: Der Dienstunfallschutz endet mit dem Durchschreiten der Toilettentür und lebt erst nach Verlassen der Toilette wieder auf. Beim Verrichten der Notdurft handelt es sich um die „Ausübung einer privatwirtschaftlichen Tätigkeit“ (VG München: M 12 K 13.1024).

Stehpinkeln ist ein Mietmangel

Das Landgericht Berlin hatte die Frage zu klären, ob Toilettengeräusche aus der Nachbarwohnung zur Mietminderung berechtigen. Und da das Uriniergeräusch eines Stehpinklers akustisch deutlich vernehmbar war, veranlasste dies die Richter tatsächlich, eine Mietminderung von zehn Prozent als angemessen anzuerkennen (67 S 335/08).

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Hamburg (313 S 78/02), LAG Hamm:15 Sa 463/04, Kölner Arbeitsgericht (6 Ca 3847/09), Arbeitsgericht Krefeld ( 2 Ca 2010/12), VG München: M 12 K 13.1024, 67 S 335/08

Rosa Badezimmer

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07.11.2014 08:45
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