Ich will ’nen Keks – holt mich hier raus

Montag, 29.02.2016 PK

Dem Dschungel-Camp gehen die Kekse aus. Und zwar auf Gerichtsbeschluss! Denn als die Kandidaten für eine erfolgreich absolvierte Dschungel-Prüfung eine Packung Kekse bekamen, wurde die Marke des Mürbegebäcks verbotenerweise überdeutlich gelobt…

Denn das neudeutsche „Productplacement“ (früher hieß es „Schleichwerbung“) in Fernseh-Serien ist ausnahmsweise nur dann erlaubt, wenn das Produkt nicht „zu stark“ herausgestellt wird. So steht es im Rundfunkstaatsvertrag. Doch was da im Dschungel-Camp abging, sprengte eindeutig den zulässigen Rahmen.

Hammer, krass, yummi

Die Kandidaten bekamen unter lautem Jubel eine Packung „Leibniz Pick up“ für eine bestandene Prüfung. In Einzeleinstellungen wurde dann gezeigt, wie die Teilnehmer mit Begeisterung die Kekse verzehrten – immer begleitet von höchst lobenden Kommentaren: „Man weiß gar nicht, wie man wirklich diese kleinen Dinge im Leben jetzt auf einmal zu schätzen weiß. Das ist eine Geschmacksbombe“, „Die süße Schokolade war absolut ein Traum. Ich hätte gern alle fünf Riegel auf einmal gegessen, muss ich gestehen“, „Hammer, krass, lecker, yummi“, „Geil“, „War echt traumhaft. Ich möchte einfach mehr“, „Das hat wirklich alles: Karamell, Schokolade und Keks. Was will man mehr?“  

Fernsehmacher unter Aufsicht

Ganz schön dick aufgetragen, fand das Verwaltungsgericht Hannover. Grund für die Verhandlung war eine Rüge der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, die der Sender RTL aber nicht auf sich sitzen lassen wollte und deswegen vor Gericht gezogen war. 

Zuschauer sollen geschützt werden

Also mussten sich die Richter die beanstandete Folge aus dem Jahr 2014 genau ansehen. Sie kamen zu dem Ergebnis: „Das Produkt wurde in unzulässiger Weise hervorgehoben. Die Abgrenzung zu reiner Werbung ist nicht mehr gegeben“. Ändern wird diese rechtliche Bewertung leider nichts. Denn ein Rundfunkstaatsvertrag schützt zwar vor unlauterer Werbung, aber nicht davor, dass Zuschauer von C-Promis gelangweilt werden, die sich mit allerlei ekligen Prüfungen lächerlich machen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Hannover, Urteil vom 18.02.2016 –  7 A 13293/15

§ 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 3 RStV

Kakerlake auf Keks

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29.02.2016 12:00
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