Legitimer Massenmord: Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn – oder doch besser nicht...

Dienstag, 23.06.2015 PK

Der lustige Song der Comedian Harmonists bekommt gerade einen sehr bitteren Beigeschmack. Denn wissen Sie, was mit frisch geschlüpften, männlichen Hühner-Küken geschieht? Wir werden es Ihnen gleich erzählen. Aber vorher genießen Sie bitte in Ruhe Ihr Frühstücks-Ei…

…denn wenn Sie über das Schicksal der kleinen, gelben Flauschbällchen Bescheid wissen, werden Sie vielleicht keine Eier mehr mögen – und Brathähnchen auch nicht. 

Eine kurze Galgenfrist

Ende 2014 war kurzfristig ein deutliches Aufatmen unter den Tierschützern zu spüren: Denn frisch geschlüpfte, männliche Küken hätten seitdem nicht mehr getötet werden dürfen. Doch das Verwaltungsgericht Minden hat kürzlich dieses Tötungsverbot wieder aufgehoben. Augenblick mal – getötet ist nicht ganz der richtige Begriff, der die Technik beschreibt, mit der die kleinen Küken ins Jenseits befördert werden.

Lebendig zu Brei verarbeitet

Männliche Küken fallen nämlich in vielen Hühnerzuchtbetrieben direkt vom Transportband in einen Schredder. Lebend. Anderenorts werden die niedlichen Tierchen vergast und kommen anschließend als Tierfutter in die Zoos. Ein Erlass des nordrhein-westfälischen Umweltministerium wollte im vergangenen Jahr mit dieser bestialischen Verfahrensweise Schluss machen. Daher das Aufatmen der Tierschützer, dass allerdings verfrüht war.

Die gesetzliche Grundlage fehlt

Denn wie bereits gesagt hob das Verwaltungsgericht Minden dieses Tötungsverbot wieder auf. Das Land Nordrhein-Westfalen will nun in Berufung gehen, um endlich klären zu lassen, ob das millionenfache Töten der Junghühner nicht doch per Erlass verboten werden könne. Denn Minden hatte rein zugunsten der Brütereien entschieden: Laut der Richter gäbe es nämlich keine gesetzliche Ermächtigung, um einen solchen Tötungsstopp zu veranlassen, auch gäben die beiden entscheidenden Paragraphen im Tierschutzgesetz (§ 16a und 17) eine solche Ermächtigung nicht her. Die Richter fügten außerdem an, dass die Massentötung der Küken „seit Jahrzehnten im In- als auch im Ausland üblich“ sei und als „gerechtfertigt“ angesehen werde, weil es keine Alternativen dazu gebe. Übrigens: Legehennen leben etwa 15 Monate. In dieser Zeit legen sie über 300 Eier.

Juristisch gedeckter Massenmord

Vorerst ist es also juristisch gedeckt, dass jährlich bundesweit rund 50 Millionen(!) männliche Küken geschreddert werden, weil die weder Eier legen noch schnell genug Fleisch ansetzen, um als Brathähnchen am Grillspieß zu enden. Damit bewertet das Gericht die Interessen der Brüter-Industrie höher als den Grundsatz, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Denn die Brütereien hatten argumentiert, das Tötungsverbot bedeute das wirtschaftliche Aus für die Betriebe. 

Wie wär’s jetzt mit einer Portion Rührei?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

VG Minden, Urteil vom  30.01.2015: 2 K 80/14

§ 16a Abs. 1 S. 1 TierSchG

§ 17 TierSchG

Küken

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Legitimer Massenmord an männlichen Küken
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23.06.2015 10:36
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