Patienten leiden, und unsere Ärzte haben Angst

Mittwoch, 18.02.2015 PK

Robert Henke (75) hatte einen Schlaganfall. Seither kann er seine Wohnung nicht mehr verlassen. Verzweifelt sucht seine Frau nun nach einem Arzt, der Hausbesuche macht. Doch sie läuft gegen verschlossene Türen…

Die Ehefrau ist verzweifelt. Ihr Mann leidet an Demenz, Diabetes, er hat offene Füße und ist ans Bett gefesselt. Und natürlich müssen bei so schwer erkrankten Menschen regelmäßig Blutzucker und Nierenwerte kontrolliert werden. Zudem braucht der Rentner monatlich Verbandmaterial für rund 400 Euro. Aber kein Arzt will helfen.

19.000 Ärzte, aber keiner will helfen

Dabei ist Berlin, wo Robert Henke lebt, die Stadt mit der höchsten Ärztedichte in Deutschland. Warum sich von den rund 19.000 dort niedergelassenen Medizinern niemand bereit erklärt, den Mann zu behandeln, liegt an unserem Gesundheitssystem. Seit Anfang des Jahres klappert Brigitte Henke daher eine Praxis nach der anderen ab und fleht geradezu um Hilfe. Und die Antworten der Herren Doktoren verschlagen einem die Sprache: „Nehmen Sie ihm doch selbst Blut ab und bringen es vorbei“ war die wohl dreisteste Abfuhr, die die 68-Jährige sich in den bisher 28 besuchten Arztpraxen einhandelte.

Inkompetenz als Arbeitsmotto

Doch die Frau ließ sich nicht entmutigen. Sie beschwerte sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Und handelte sich eine regelrechte Irrfahrt durch inkompetente Instanzen ein. Denn die Kassenärztliche Vereinigung sagte, sie sei nicht zuständig und verwies die Frau an ihre eigene Krankenkasse. Aber die wollte auch nicht zuständig sein und gab ihr eine Ärzteliste – mit genau den Praxen, die bereits abgelehnt hatten! Der letzte Versuch: das Gesundheitsministerium. Auch nicht zuständig: Man schob sie wieder zur Kassenärztlichen Vereinigung ab.

Ärzte behandeln lieber gesunde Patienten

Das Schlimmste aber ist: Ohne den Patienten  zu sehen, darf kein Arzt Verbandsmaterial und Medikamente verschreiben. Also müsste der Patient theoretisch jedes Mal per Krankentransport in die Klinik, nur damit er ein Rezept bekommt! Doch warum weigern sich Ärzte dermaßen zu helfen? Nun, offenbar fürchten sie, dass die Krankenkasse von ihnen Schadensersatz fordert. Und sie befürchten dies nicht ohne Grund: So bestätigte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung gegenüber der B.Z.: „Im Durchschnitt soll der Hausarzt einem Rentner höchstens 480 Euro im Jahr(!) für Medikamente und Verbandstoffe verschreiben. Sollte es mehr sein, kann die Kasse den Arzt zur Verantwortung ziehen.“… 

Da läuft irgendwas gewaltig falsch.

Alte Hand

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18.02.2015 07:10
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