Ist das Wort „Neger“ nun eigentlich ein Schimpfwort oder nicht?

Samstag, 09.04.2016 PK

Wir alle erinnern uns an die leckeren „Negerküsse“, die jetzt politisch korrekt „Schokoküsse“ heißen müssen. Und an das „Zigeunerschnitzel“, das - fortan als „Balkanschnitzel“ serviert -  nicht nur seinen Namen, sondern schon vom Klang her einiges von seinem pikanten Aroma eingebüßt hat. Aber muss das alles wirklich sein?…

Ja, es gibt die Beleidigung durch das Wort „Neger“. Und ja, es gibt die Beleidigung durch das Wort „Zigeuner“. Nur: Was sich die weltverbessernden Sprachwächter als Ersatz für die ungewollten Schmähungen haben einfallen lassen, ist oft nicht viel angenehmer. So kursieren Begriffe wie „Afro-Deutscher“ neben „Maximalpigmentierter“ für die eine Gruppe, sowie „Rotations-Europäer“ und „Mobile ethnische Minderheit“ für die andere. Alles bestimmt gut gemeint – gut formuliert auf keinen Fall.

Sind die neuen Begriffe besser?

Mal ehrlich: es kommt doch gar nicht darauf an, welcher Begriff für Süßspeisen bzw. Gebratenes mit pikanter Soße verwendet wird, sondern in welchem Zusammenhang damit Menschen bezeichnet werden. So darf man zu Recht daran zweifeln, ob ein „blöder Rotations-Europäer“ weniger beleidigend ist als das böse Wort mit „Z“.

Diskriminierung bringt Schmerzensgeld

Die Grenze des Erträglichen ist immer dann überschritten, wenn Äußerungen eindeutig rassistisch und diskriminierend sind. So kam eine Hausmeisterin vor Gericht, die zu zwei schwarzen Mietinteressenten gesagt hatte:  „Die Wohnung wird nicht an Neger, äh Schwarzafrikaner und Türken vermietet.“ Da kam es auf den „Neger“ gar nicht mehr an: Die rassistische Diskriminierung ergab sich ganz klar aus dem Zusammenhang – selbst wenn die Frau „Schwarze“ gesagt hätte. Jeder der beiden Mietinteressenten bekam übrigens vom Gericht ein Schmerzensgeld von 2.500 Euro zugesprochen. 

Wo Sprachwächter zum Glück scheitern

Unterdessen nimmt die Tilgungswut politisch korrekter Sprachwächter befremdliche Formen an. So wurde z.B. versucht, das schlimme N-Wort aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ zu tilgen. Der Verlag hat sich geweigert. Der gleiche Versuch lief bereits mit Mark Twains „Tom Saywer“. Wäre das gelungen, hätte es wohl das Gegenteil dessen bewirkt, was beabsichtigt war: den damals vorhandenen Rassismus in den Südstaaten zu beschreiben, den der Autor mit Hilfe einer scharfen Sprache anprangert. Nun: Bei „Pippi Langstrumpf“ ist der Papa statt „Negerkönig“ immerhin zum „Südseekönig“ mutiert. Ob das den jungen Lesern wirklich hilft? Die Schwarzen auf seiner Insel müssen doch immer noch für ihn schuften.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Köln: 24 U 51/09

Schokokuss

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09.04.2016 07:19
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