Warum Norwegen jetzt seine Gauner exportiert

Sonntag, 28.12.2014 PK

Norwegen hat so wenig Unterbringungsmöglichkeiten für Straftäter, dass Verurteilte oft monatelang auf eine freie Zelle warten müssen. In Holland ist es umgekehrt: viel mehr Plätze für „betreutes Wohnen“ als Straftäter. Was liegt da näher, als die Gauner kurzerhand zu exportieren?

Schon 2015 sollen die ersten norwegischen Kriminellen hinter schwedischen Gardinen in niederländischen Gefängnissen sitzen. Einzige Hürde: die Sprache. Aufseher und Gefangene müssen sich wohl oder übel in Englisch verständigen. Aber warum platzen eigentlich im hohen Norden die Haftanstalten aus allen Nähten? Ist Norwegen ein Land voller Gangster? Kaum. Schuld an der Zellenknappheit  ist schlicht fehlendes Geld: Die alten Haftanstalten sind derart marode, dass eine Sanierung erstens zu teuer ist und zweitens kaum realisierbar, weil währenddessen die Gefangenen ja ebenfalls ausquartiert werden müssten.

Mehr „Betreuung“ geht nicht

Zelle zu vermieten, Wärter inklusive“ – so lautet die willkommene Botschaft aus Holland. Denn auch den Niederländern ist mit diesem Deal geholfen: 1500 Gefängniszellen stehen dort leer, und 20 der insgesamt 50 Haftanstalten müssten geschlossen werden, würden die Norweger nicht ein paar schwere Jungs rüberschicken. Schließlich gibt es in Holland erstmals in der Geschichte des Landes mehr Beschäftigte im Strafvollzug als Gefangene. Den Norwegern dürfte also eine intensive Betreuung sicher sein.

Übrigens müsste sich die neuen Gefangenen noch nicht einmal an holländische Kost gewöhnen. Es soll nämlich auch Spaghetti geben, und die kennt schließlich jeder, heißt es.

Die ganz Schlimmen dürfen nicht verreisen

Mit den 1300 Tätern, die in Norwegen auf ein warmes Plätzchen hinter dicken Mauern warten, könnte man den niederländischen Leerstand fast vollständig auffüllen. Schwerstkriminelle jedoch, wie z.B. den Massenmörder Breivik,  wollen die Norweger allerdings lieber unter eigener Aufsicht halten.

Schöner Wohnen mit besonderem Flair

Übrigens: Gefängnisbauten haben durchaus ihren Reiz. Einige sollen jetzt sogar verkauft werden, wie etwa das 100 Jahre alte Kuppelgefängnis in Haarlem. 20.000 Quadratmeter in schönster Lage. Und mit Geschichte. Preis: Reine Verhandlungssache.

Gefängniszelle mit Rose

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