Tantra-Massagen: Das Finanzamt kassiert mit!

Samstag, 22.10.2016 HH

Zigaretten, Alkohol, Glücksspiel, Benzin, Kaffee, Parfum…. Genuss der besonderen Art wurde in Deutschland schon immer als Luxus - und daher steuerpflichtig - eingestuft. Auch dass für Bordelle, „Laufhäuser“ und „Swinger-Clubs“ in den meisten Bundesländern eine Vergnügungssteuer bezahlt werden muss, ist hinlänglich bekannt. Doch dass auch Tantra-Massagen besteuert werden, ruft den Unmut zahlreicher hart arbeitender Damen hervor…

Dafür hatte Yvonne nun gar kein Verständnis: Die Killesberger Tantra-Masseurin verbrachte zwei Jahre in Indien und befasste sich in dieser Zeit intensiv mit der Lehre der Tantra-Massage. Besonders die ganzheitliche Behandlung während der Massage hatte sie dabei besonders fasziniert. „Die sexuelle Befreiung des Körper und Geistes sind dabei doch nur Stufen der Treppe zur Freude“. Schön formuliert, doch leider war da der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim anderer Ansicht: Bei objektiver Betrachtungsweise sei „eine Tantra-Massage eine Zerstreuung und Entspannung mit erotischem Bezug“. und dadurch vergnügungssteuerpflichtig. 

Wenn „Ying und Yang“ versilbert werden sollen

Eine Stuttgarter Kollegin von Yvonne ging deswegen sogar in Berufung gegen ein Urteil des Stuttgarters Verwaltungsgerichts. Dieses hatte ebenso von ihr Vergnügungssteuer für ein Tantra-Studio verlangt, da „die Einbeziehung des Intimbereichs in die Massage im Sinne der Steuersatzung gezielt Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen“ bieten würde. Und da die Argumentation der Damen, keinesfalls auf einer Stufe mit „denen zu stehen, die nur „schnöden Sex“ anböten, weil sie ihre Kunden geistig befreien würden“ ungehört blieb, bleibt den Frauen jetzt nur noch der Gang zum BGH.

Kein sexuelles Vergnügen, sondern nur Wohlbefinden

Yvonne jedoch zeigt sich ganzheitlich rebellisch gegenüber dem Fiskus: „Wenn die das nicht ändern, sage ich einfach, dass meine Kunden während der Massage immer die Unterhose anbehalten. Dann wollen wir doch mal sehen, ob auch die Energie der Gedanken besteuerungsfähig ist.“ Wir sind gespannt auf die Reaktion des Finanzbeamten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

VGH Mannheim, Urteil vom 03.07.2014 - 2 S 3/14

§ 1 Abs. 2 Nr. 10 Vergnügungssteuersatzung Stuttgart

Finanzamt, Stempel

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