Der Tod kam nach 56 Schnäpsen

Freitag, 19.06.2015 PK

Kampftrinken in einer Bar: Wer die meisten „Kurzen“ schafft, gewinnt. Fragt sich nur was. Denn ein Mann aus Frankreich hat zwar bei einem solchen Wettbewerb gewonnen, dafür aber sein Leben verloren: Er starb nach dem 56. Schnaps…

Der Barbetreiber, quasi offizieller Veranstalter des Wettbewerbs, wies natürlich alle Verantwortung von sich. Verurteilt wurde er trotzdem: Das Strafgericht der französischen Stadt Clermont-Ferrand sprach den 47-Jährigen der „fahrlässigen Tötung durch eine bewusste Verletzung der Sicherheits- und Vorsichtspflichten“ schuldig und verhängte eine viermonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Obendrein wurde dem Kneipenwirt ein einjähriges Berufsverbot auferlegt.

Der Wirt hätte es merken müssen

Doch warum eigentlich? Nun - dem über 110 Kilo schweren Kampftrinker, der an jenem denkwürdigen Abend den bisherigen, auf einer Tafel vermerkten Sauf-Rekord brach, hätte der Wirt laut Gericht gar nichts mehr ausschenken dürfen, zumal der Mann gegen Ende des „Wettbewerbs“ erkennbar an Atemwegsproblemen litt und sich mehrfach verschluckt hatte.

Was unsere Gesetze sagen

Und wie ist die Rechtslage in Deutschland? Auch bei uns haben Gastwirte eine sogenannte „Obhutspflicht“ gegenüber betrunkenen Gästen, so hat es zumindest der Bundesgerichtshof festgelegt. Doch in erster Linie regelt die Pflichten eines Gastwirtes das Gaststättengesetz. Dort steht wörtlich im § 20, Absatz 2: „Verboten ist, in Ausübung eines Gewerbes alkoholische Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen.“ Weiter ergibt sich aus dem Gesetz, dass der Wirt ein Ordnungsgeld von bis zu 5.000 Euro zu zahlen hat, sollte er sich nicht an dieses Verbot halten.

Bis zu fünf Jahre Haft

Sicher wäre unser Rechtssystem nur halb so spannend, wenn es nicht immer einen kleinen Seitensprung machen würde. Der Gastwirt haftet nämlich auch noch gemäß § 221 des Strafgesetzbuches! Danach wird mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft, wer eine „hilflose Person aussetzt“ oder sie „in hilfloser Lage vorsätzlich verlässt“. Im Klartext: Der Wirt darf einen sturzbetrunkenen Gast gar nicht erst allein nach Hause schicken, sondern muss ihm ein Taxi rufen. Und, was viele Wirte nicht zu wissen scheinen: Er muss sicherstellen, dass der Gast nicht betrunken Auto fährt, indem er ihm z. B. die Wagenschlüssel abnimmt. Ansonsten haftet er im Zweifel mit, wenn etwas bei der anschließenden Trunkenheitsfahrt passiert.

„Was, um Himmels Willen, geht mich das an?“

Wenn Sie jetzt diese Frage stellen, haben wir eine Überraschung für Sie: Denn auch als Privatperson machen Sie sich - genau wie der Wirt - nach § 221 StGB strafbar, wenn Sie einen volltrunkenen Gast von Ihrer Privatfeier einfach gehen lassen…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Aussetzung § 221 StGB

Ausschankverbot § 20 GastG

BGH: 4 StR 529/74

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19.06.2015 10:47
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