Die Gurke will Schadensersatz!

Dienstag, 29.12.2015 MLK

Die Stadt Hamburg ist nicht gut zu Gemüse: Sie hat die Gurke in den Dreck gezogen. Und dagegen will die Gurke sich jetzt wehren!…

Mit einem Darm-Bakterium fing alles an: 2011 befiel die Menschen in Deutschland das EHEC-Bakterium. Das gefährliche daran: Dieses kleine gemeine Ding verursacht lebensgefährliche Darminfekte. Durch den blutigen Durchfall und das Erbrechen verliert der Körper in kürzester Zeit sehr viel Salz und Wasser. In den schlimmeren Fällen ist daher ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich - und im Zweifel kann man sogar daran sterben.

Über 50 Todesopfer

Und genau das passierte auch:Während dieser Welle gab es über 50   in Deutschland. Die Angst war groß. Insbesondere waren die Deutschen nervös, weil sich das Bakterium rasend schnell verbreitete und hoch aggressiv war.

Ein Schuldiger musste her!

Die Hysterie der Menschen konnte nur durch die Enttarnung der Ursache eingedämmt werden. Ein Schuldiger musste daher her, und das möglichst schnell. Am 26. Mai im Jahr 2011 gab die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg dann auch bekannt, dass man die Erreger auf Salatgurken aus Spanien nachgewiesen hätte.

Verfrühte Anschuldigungen – Grund für Schadensersatz

Indem man die Erreger auf der Salatgurke als ursächlich für die Infektionen darstellte und dazu noch das Unternehmen nannte, das die Gurken lieferte, schadete man dem spanischen Gemüsehändler enorm. Seine Umsätze brachen ins bodenlose ein. Dass sich später dann herausstellte, dass kontaminierte ägyptische Bockshornkleesamen die Ursache für die Infektionswelle war, half dem Gurkenhändler auch nicht mehr: Sein Umsatzschaden von über 2 Millionen Euro konnte nicht mehr abgewendet werden.

Klage gegen Hamburg

Deshalb verklagte der Händler die Freie Hansestadt Hamburg. Denn durch deren verfrühte Presseerklärung sei sein Geschäft kaputt gegangen und das Image der Gurke hätte empfindlichen Schaden genommen. Denn die Stadt hätte ohne genügende und stichhaltige Beweise nicht die Gurken für die Krankheitswelle verantwortlich machen dürfen. Und das Landgericht gab ihm Recht: Die Stadt hätte verfrüht und populistisch gehandelt und müsse deshalb den Schaden übernehmen. Über die Schadensersatzhöhe wird noch separat entschieden. Ein später Sieg für die Gurken.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LG Hamburg Urt. v. 23.10.2015, 303 O 379/11

Gurke

Weitere Artikel

article
5539
EHEC-Bakterium: Die Gurke will Schadensersatz
Die Stadt Hamburg ist nicht gut zu Gemüse: Sie hat die Gurke in den Dreck gezogen. Und dagegen will die Gurke sich jetzt wehren!…
/news/kurios/ehec-bakterium-die-gurke-will-schadensersatz
29.12.2015 07:05
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/gurke-getty_images/110843-1-ger-DE/gurke-getty_images_contentgrid.jpg
Kurios

Kommentare