Die skurrilsten Gerichtsurteile aus aller Welt

Samstag, 01.04.2017

Die Gerichtswelt kann so herrlich schräg sein. Da kommen nicht nur die skurrilsten Anträge vor Gericht, auch die gefällten Urteile lassen es mitunter nicht an Kuriosität fehlen. Sie beweisen die absurde Genauigkeit, mit denen Juristen ans Werk gehen (müssen), um jedes noch so banale oder verrückte Problem zu lösen. Und zeigen nebenbei, dass Anwälte, Richter und Co. auch Humor haben können!

Asterix, Obelix und die Doctrix

Eine fertig promovierte Tiermedizinerin bekam den Titel „doctor medicinae veterinae“ verliehen. Eigentlich ein Grund zum Feiern – die Betroffene sah sich aber als Frau diskriminiert, weil der Titel die männliche Form führt. Ihre Hochschule sollte den Titel auf der Promotionsurkunde deshalb in „doctora“ ändern und dafür zog sie sogar vor das Verwaltungsgericht Hannover. Dort blitzte sie aber ab: Denn die Richter zweifelten an der grammatikalischen Korrektheit der Endung „-a“! Stattdessen kamen die Juristen mithilfe eines Lateinlehrbuches aus dem Jahr 1948 auf den Trichter: „Doctrix“ sei die korrekte weibliche Form des Titels, und diese sei einzuhalten. Diesen Titel lehnte die Klägerin aber dankend ab und gab den Fall verloren. Als „doctrix“ fühle sie sich nicht ernst genommen. An welche Namensvetter sie da wohl gedacht hat?

Textbezogenes Urteil: VG Hannover, Urt. v. 22.03.2000 – Az. 6 A 1529/98

Lehrerin von der Bierbank gefallen: Dienstunfall!

Hört sich nach Sodom und Gomorrha an: Bei einer Klassenfahrt stürzte eine Lehrerin im Bierzelt von einer Bierbank und verletzte sich. Nun stellte sich die Frage, ob das ein Dienstunfall war und der Schaden damit von der Krankenkasse für Beamten gedeckt werden muss. Das Verwaltungsgericht Stuttgart sagte: ja! Der Besuch des Bierzeltes gehörte laut Urteil in diesem Fall zu den dienstlichen Aufgaben der Lehrerin: Der „pädagogische Gesamtauftrag“ beinhalte auch, dass die Lehrerin einen „Grundstock an Vertrauen zu den Schülern aufbaut“. Dafür darf ein Lehrer oder eine Lehrerin auch ein Bierzelt mit den Schülern besuchen. Böse Zungen fragen jetzt natürlich weiter: Hätte die Lehrerin denn auf die Bierbank steigen müssen? Auch dafür fand das VG Stuttgart eine Antwort: Ja, zumindest dann, wenn die Schüler bereits darauf stehen. Wäre sie sitzen geblieben, während ihre Schüler auf den Bierbänken tanzten, hätte sie sich „ostentativ von ihren Schülern distanziert“ – und das wiederum sei mit dem pädagogischen Gesamtauftrag nicht zu vereinen. Glück gehabt! Die Schüler hatten übrigens zu dem Zeitpunkt des Unfalls offenbar keinen Schluck Alkohol getrunken. Ob das auch für die Lehrerin galt, ist unbekannt.

Textbezogenes Urteil: VG Stuttgart, Urteil vom 31.01.2014 – 1 K 173/13

Wer stinkt, muss gehen

Zwei Minuten vor Abflug wurde ein Reisender gebeten, das Flugzeug zu verlassen. Grund: Seine Sitznachbarin beschwerte sich über seinen strengen Körpergeruch. Der Reisende klagte daraufhin beim Oberlandesgericht Düsseldorf auf Schadensersatz. Seiner Klage wurde stattgegeben mit der Begründung, dem Stewart hätte schon vorher auffallen müssen, dass der Fluggast nach Schweiß stinkt. So hätte der Kläger Gelegenheit gehabt, Abhilfe zu schaffen und das Beförderungshindernis zu beseitigen. Mit anderen Worten: Sie dürfen beim Einchecken nach Schweiß stinken, hinterher aber nicht mehr.

Textbezogenes Urteil: OLG Düsseldorf v. 31.01.2007, Az. I-18 U 110/06

Sex mit Prostituierter gilt nicht als Ehebruch

In Japan wehrte ein Gericht die Klage einer Frau gegen eine Hostess und Bardame ab (die Japan Times berichtete über den Fall). Der Ehemann der Klägerin hatte über Jahre hinweg sexuelle Kontakte mit der Angeklagten. Jetzt sollte die Hostess der gehörnten Ehefrau Schmerzensgeld zahlen. Nach Ansicht des Richters hatte der Ehemann aber gar keinen Ehebruch begangen! Denn die Hostess sei einer Prostituierten gleichzusetzen. Sie schlafe mit Gästen des Nachtclubs, in dem sie arbeitet, um dafür zu sorgen, dass diese Männer weiter Kunden des Etablissements bleiben. Sie werde also indirekt bezahlt. Und bezahlter Sex sei nach Ansicht des Richters kein Ehebruch. Deshalb sei auch das „friedliche Eheleben“ nicht gestört worden und die Ehefrau des Lebemanns hätte keinen Schaden erlitten. So einfach kann man es sich machen!

Der Ganges ist jetzt eine lebende Person

Ein trauriger Umstand führte kürzlich zu einem skurrilen Urteil in Indien. Der stark verschmutzte Fluss Ganges soll geschützt werden – deshalb erklärte der Hohe Gerichtshof von Uttarakhand ihn jetzt zu einem Lebewesen. Auch der Fluss Yamuna sowie die Nebengewässer der beiden Flüsse haben diesen Status erhalten. Mit diesem Urteil sollen stark gefährdete Ökosysteme gerettet werden. Denn jetzt kann zum Beispiel die Verschmutzung des Ganges wie eine Körperverletzung an einem Menschen verfolgt werden. Der Ganges und die Yamuna sind für viele Millionen Einwohner Indiens heilig. Die Gläubigen gehen davon aus, der Ganges sei immer rein. Dabei werden die Abwässer von Siedlungen sowie Industrieunternehmen entlang des Ganges ungefiltert in den Fluss geleitet.

Hier können Sie das textbezogene Urteil nachlesen.

Richterhammer

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