Schmerzensgeld, weil das Klo kaputt war

Mittwoch, 22.07.2015 PK

Dass bei der Bahn nie alles richtig funktioniert –daran hat man sich schon fast gewöhnt. Mal sind es die Klima-Anlagen, die ausgerechnet im Sommer ihren Dienst versagen, mal die Weichen, die im Winter einfrieren. Und mal sind es die Toiletten im Zug. Gar kein gutes Gefühl, wenn der Druck im Kessel immer weiter steigt…

So erging es einer Frau, die mit der Regionalbahn von Koblenz nach Trier unterwegs war. Zwei Stunden dauert diese Fahrt. Und wenn der Zugführer ihr vorher gesagt hätte, dass sie unterwegs nicht „müssen“ kann, hätte die Frau ganz sicher vorher am Bahnhof die keramische Abteilung aufgesucht.

„Außer Betrieb“

Doch ohne jeden Hinweis auf die kaputte Bordtoilette stieg sie arglos in den Zug, wo das dingende Bedürfnis immer dringender wurde, bis schließlich das „Schicksal“ seinen Lauf nahm: Die Frau schaffte es am Zielbahnhof nicht mehr rechtzeitig aufs Klo.

Warum ist die Bahn so stur?

Es verwundert, dass es sich die Bahn leistet, einen solchen Fall erst vor Gericht kommen zu lassen, anstatt der betroffenen Reisenden von vornherein eine Entschädigung für die Unannehmlichkeiten zu zahlen. So aber hat das ohnehin oft kritisierte Unternehmen eine weitere negative Schlagzeile. Und das zu Recht. Denn dieser Fall landete vorm Amtsgericht in Trier. Dort wurde entschieden: Die Bahn trifft wegen der kaputten Toilette und des fehlenden Hinweises darauf eine „Organisationsschuld“, die zu einem „körperlichen Unwohlsein“ bei der Passagierin geführt hat. Ja, so kann man es natürlich auch ausdrücken. Dass die Betroffene sich wahrscheinlich in Grund und Boden geschämt hat, kommt damit aber nicht zum Ausdruck.

Hätten die doch bloß gleich gezahlt

Jedenfalls muss die Deutsche Bahn Regio AG ihr jetzt ein Schmerzensgeld in Höhe von 200 Euro zahlen. Noch ist das Urteil zwar nicht rechtskräftig – aber wenn der Bahn nicht an noch mehr Publicity in dieser Sache gelegen ist, legt sie freiwillig noch ein paar Euro drauf.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

AG Trier, Urt. v. 16.06.2015: 6 C 62/15, nicht rechtskräftig

Zugtoilette

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