Schwarzfahren: Schlauberger haben keine Chance

Montag, 20.06.2016 PK

Der ICE Köln - Frankfurt/Main. Ein Mann steigt ein, sucht sich einen Sitzplatz und steckt sich einen Zettel an die Wollmütze, auf dem steht „Ich fahre schwarz“. Und weil er das ja ganz offen zur Schau trägt, glaubt er, seine Schwarzfahrt sei im Sinne des Gesetzes keine Beförderungserschleichung. Wie gesagt: glaubt er...

Ob das aber tatsächlich zutrifft oder nicht, musste schlußendlich das Oberlandesgericht Köln entscheiden. Denn erst bei einer Routine-Fahrscheinkontrolle wurde der Zugbegleiter auf den Zettel aufmerksam und hielt es wohl zunächst für einen Ulk. Aber der Mann hatte wirklich keinen Fahrschein, und so kam es zur Anzeige.

Dabei hätte es durchaus klappen können

Vor Gericht wurde dem spitzfindigen Schlauberger zur Last gelegt, dass er zunächst ohne den Zettel vorm Kopf eingestiegen war und sich dem Zugpersonal damit wie ein regulärer Fahrgast präsentiert hatte. Womit er wohl nicht gerechnet hatte: Die Richter waren nicht weniger spitzfindig. In ihrer Urteilsbegründung heißt es nämlich: „Mit diesem Verhalten gebe er sich den Anschein, als erfülle er die nach den Geschäftsbedingungen der Bahn erforderlichen Voraussetzungen für die Beförderung. Der an der Mütze angebrachte Zettel mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz“ erschüttere diesen Eindruck nicht. Hierzu wäre erforderlich, dass der Fahrgast offen und unmissverständlich zum Ausdruck bringt, den Fahrpreis nicht entrichten zu wollen.“ 

Der Fehler: unbemerkt einsteigen

Zwar hätte ihn der Zugbegleiter dann vermutlich sofort wieder an die Luft gesetzt. Aber wenn dieser die Fahrt zugelassen hätte, wäre dem Schwarzfahrer kein Vorwurf zu machen gewesen. Doch der Zugbegleiter hat den Mann gar nicht einsteigen sehen. Und selbst wenn – einem ganz normal aussehenden Fahrgast sieht man ja nicht an, ob er sich ein Ticket gekauft hat oder nicht.

Das Brett war wohl dicker als der Zettel

Von den Richtern zwar nicht ausgesprochen, aber dennoch ein schönes Fazit für diese Anekdote: Ein Zettel vorm Kopf nützt gar nichts, wenn man ein Brett davor hat. Und vor Strafe schützt er auch nicht: Der Mann muss nun 200 Euro an die Staatskasse entrichten.

Ihr seid schwarzgefahren

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Eure Rückforderung des erhöhten Beförderungsgeldes

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Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 28.09.2015 – III-1 RVs 118/15

Vorinstanz: Landgericht Bonn, Urteil vom 04.02.2015 – 28 Ns 38/14

§ 265a StGB

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