Unser aller Amtsdeutsch: Gut, dass wir darüber gesprochen haben…(Teil 2)

Sonntag, 15.03.2015 PK

In Teil 1 durften wir bereits an den geistigen Ergüssen deutscher Beamter teilhaben. Nun fragt man sich natürlich, wie die Autoren in ihren Amtsstuben auf ihre abstrusen Formulierungen kommen. Einer der Gründe ist simpel: Da nun einmal die Amtssprache Deutsch ist, dürfen keine Fremdwörter verwendet werden…

Deswegen schreibt der beflissene Staatsdiener auch nicht „Ein-Euro-Job“, sondern „Arbeitsgelegenheit in der Mehraufwandsvariante“. Versteht ja auch gleich jeder!

Diese Stilblüten sind jedoch mit dem Fremdwörterverbot allein nicht zu erklären:

- Info des Deutschen Lehrerverbandes Hessen: Besteht ein Personalrat aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern. Gut, das unsere Kinder von solch klugen Leuten unterrichtet werden!

- Und in einer Urteilsbegründung des Landgerichts München findet sich der Satz: Kunststoff-Fenster mögen zahlreiche Vorteile haben, insbesondere in Bezug auf Wartung und Pflege – Holz hat den Vorteil, nicht aus Kunststoff zu sein. Hoffen wir mal, das für diese tiefgreifende Erkenntnis kein technisches Gutachten nötig war!

- Auch wer sich immer Gedanken über fetthaltige Brotaufstriche gemacht hat, wird mit dieser Formulierung aus dem deutsches Lebensmittelbuch sicher zu ganz neuen Erkenntnissen gebracht: Margarine im Sinne dieser Leitsätze ist Margarine im Sinne des Margarinegesetzes. Überraschend, oder?

- Hier gleich noch so ein Bolzen aus derselben Quelle: Gewürzmischungen sind Mischungen von Gewürzen. Kreisch!

Wenn die bloß so schreiben würden, wie sie reden...

- Hier noch eine Vorschrift der Kriegsgräberfürsorge: Die Fürsorge umfasst den lebenden Menschen einschließlich der Abwicklung des gelebt habenden Menschen. Da hat wohl einer die Begriffe „Leichnam“ oder „Tote“ partout vermeiden wollen. Aber dass die deutsche Sprache durchaus pietätvoll den „Verstorbenen“ bereitstellt – darauf ist er nicht gekommen.

In diesem Zusammenhang noch ein ganz besonderes Bonbon: Wissen Sie, was man unter einer „Enterdigung" versteht? Richtig: die Exhumierung. Aber das ist ja ein Fremdwort.

Mann, verzweifelt

Weitere Artikel

article
4010
Amtsdeutsch: Offizielle Sprache in den Amtsstuben (2)
In Teil 1 durften wir bereits an den geistigen Ergüssen deutscher Beamter teilhaben. Nun fragt man sich natürlich, wie die Autoren in ihren Amtsstuben a...
/news/kurios/amtsdeutsch-offizielle-sprache-in-den-amtsstuben-2
15.03.2015 09:00
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/mann-verzweifelt-getty_images2/83608-1-ger-DE/mann-verzweifelt-getty_images_contentgrid.jpg
Kurios

Kommentare