Haben Sie schon einmal ein Empfangsbekenntnis abgeben müssen?

Freitag, 06.05.2016 PK

Blöde Sache, wenn Sie die Pille aus Versehen vergessen haben und der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Dann müssen Sie das Ihrem Partner notgedrungen beichten, also ein Empfangsbekenntnis abgeben. Glauben Sie nicht? Richtig geraten.

Aber vielleicht ist die Empfangsbekenntnis ja das, was Maria seinerzeit Josef bekennen musste, nachdem sie unbefleckt empfangen hatte. Und der hatte womöglich Zweifel an Marias Bekenntnis. Nein, stimmt auch nicht.

Für Sterbliche nicht zu verstehen

Wir wollen Sie nicht länger auf die Folter spannen: Empfangsbekenntnis ist Amtsdeutsch – deshalb auch für Sterbliche nicht zu verstehen. Gemeint ist damit eine spezielle Form der Postzustellung. Dabei wird nämlich zwischen der „gewöhnlichen Zustellung“ (Brief rein, Klappe zu, alles gut), der „Zustellungsurkunde“ (laut § 415 ZPO beweiskräftig) oder der „Aushändigung an der Amtsstelle“ unterschieden. Eine Sonderform ist die „Empfangsbekenntnis“ (§ 174 ZPO), die an eine Person in vertrauenswürdiger Stellung erfolgt. Zu denen zählen Anwälte, Notare, Gerichtsvollzieher, Steuerberater, aber auch Ärzte und Apotheker, die den Empfang einer Urkunde bekennen (d.h. bestätigen).

Und in Wahrheit doch so einfach

Sie haben es sicher schon erwartet: Ja, dafür gibt es natürlich ein Formular – bei der Post herrscht preußische Ordnung. Doch in dem amtlichen Vordruck steht nur: „Die folgenden Schriftstücke (Auflistung) sind mir (Name) übergeben worden am (Datum)“. Erfreulich simpel für ein Dokument, das einen derart in die Irre führt und ebenso gut hätte „Quittung“ heißen können. 

Banküberfälle bleiben trotz Amtsdeutsch verboten

Schwamm drüber. Denn auch aus ganz anderen Bereichen kommt unverständliches Kauderwelsch – wohlwollend könnte man natürlich auch Fach-Jargon sagen. 

Ein Trockensteher ist nicht etwa ein Oldtimer, der in einer Garage vor Witterungseinflüssen geschützt wird, sondern eine Milchkuh, die nicht mehr gemolken wird. Da muss man erst einmal drauf kommen.

Und das Überfallsrecht bezeichnet keineswegs die Erlaubnis, sein Einkommen aufzuwerten, indem man Banktresore leert, sondern sich lediglich die Früchte, die vom Nachbargrundstück herüberfallen, anzueignen (§ 911 BGB). 

Jetzt wollen Sie bestimmt noch wissen, was Blasmusiker für die Instandhaltung ihrer Instrumente bekommen. Halten Sie sich fest: Rohrgeld (autsch!) – eine Aufwandsentschädigung, die übrigens voll versteuert werden muss (Bundesfinanzhof: VI R 30/95).

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 415 ZPO, § 174 ZPO, § 911 BGB

Bundesfinanzhof: VI R 30/95

Schwangere am Computer

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Amtsdeutsch: Empfangsbekenntnis
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06.05.2016 18:04
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