Fußball-Wettbetrüger Sabina: Vom Schwerkriminellen zum Kronzeugen

Mittwoch, 01.10.2014 BJ

Der 38-jährige Sapina erzielte mit Wetten auf Fußballspiele hohe Gewinne. Auf ganz konventionelle Art und Weise bestach er im Vorfeld Spieler, Trainer, auch Schiedsrichter. Durch die Manipulationen konnte er so seine Einsätze über eine Londoner Firma auf dem asiatischen Wettmarkt korrekt platzieren.

Sabina war fleißig und umtriebig, und so wurden ihm letztendlich durch die manipulierten Wetten insgesamt mehr als 4,3 Millionen Euro an Einsätzen und Gewinnen ausbezahlt. „Es hat sich überhaupt nicht gelohnt“, klagte Sapina vor seiner späteren Urteilsverkündung. „Ich musste so viel an Bestechungsgeldern zahlen - da blieb mir selber nichts!.“

Kronzeuge aufgrund von Seitenwechsel

Nach seiner Verhaftung kündigte er an, die Seiten wechseln zu wollen, um bei der Entwicklung einer Software mitzuhelfen, welche zur Aufdeckung von Wettmanipulationen geeignet sein würde. Dafür wollte er einen Deal: Die Kronzeugenregelung, also Strafminderung. Das Bochumer Landgericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 5 Jahren und sechs Monaten. Doch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob dieses Urteil in der Revision teilweise auf. Aus diesem Grund gab es einen zweiten Prozess vor dem Landgericht Bochum.

Jetzt erst griff die  Kronzeugenregelung, und das Gericht musste die Strafe  auf fünf Jahre reduzieren.

Vom Bengel zum Engel?

Das Vorhaben, eine Kronzeugenregelung in das deutsche Recht zu integrieren, hat in den vergangenen Jahren immer wieder heftige Kritik ausgelöst.

Im Jahre 2009 trat § 46 b StGB in Kraft, der es den Strafgerichten ermöglicht, die vorgesehene Strafe zu mildern oder ganz von ihr abzusehen, wenn der Kronzeuge dazu beiträgt, eine schwere Straftat aufzudecken oder zu verhindern. So hilfreich die Kronzeugenregelung auch ist, bleibt doch stets der berechtigte Zweifel, welchen Beweiswert die Aussagen des jeweiligen Kronzeugen eigentlich haben, da sich dieser von einer belastenden Aussage natürlich einen erheblichen eigenen Vorteil erhofft.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

vgl. Landgericht Bochum Urt. v. 14.04.2014

§§ 46 b, 263 StGB, § 100 a Abs. 2 StPO

Fussball auf dem Rasen

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