Habe ich beim Pizza-Boten ein Widerrufsrecht?

Samstag, 18.06.2016 PK

Die Theorie: Jede Ware, die man im Versandhandel bestellt – ob nun online oder aus dem Katalog - kann man ohne Begründung innerhalb von 14 Tagen zurück geben. Wirklich jede Ware? Nun, die Praxis sieht anders aus, denn es gibt die sogenannte „Pizza-Klausel“…

Noch nie gehört? Die Pizza-Klausel steht sogar im Gesetz – nämlich im § 312g BGB. Unter Absatz 2, Nummer 2 heißt es: „Das Widerrufsrecht besteht... nicht bei Verträgen zur Lieferung von Waren, die schnell verderben können oder deren Verfallsdatum schnell überschritten würde.“ Wäre ja auch zu schön gewesen, sich eine Pizza kommen zu lassen, zu probieren, ob sie schmeckt – und dann nach 14 Tagen den kalten Rest zurückzuschicken.

Es gibt nur wenige Ausnahmen

Aber das Widerrufsrecht ist nicht für alle Lebensmittel generell ausgeschlossen. Gummibärchen zum Beispiel oder Konservendosen können durchaus im Rahmen des 14-tägigen Widerrufsrechts zurückgegeben werden. Die gesetzliche Ausnahme gilt nämlich nur für frische Lebensmittel, geöffnete Packungen und einige Alkoholika, wie zum Beispiel „Vin primeur“. Seit dem 14. Juni 2014 gibt es eine weitere Ausnahme für Produkte, die aus Gründen der Hygiene nicht zurückgegeben werden dürfen, wenn ihre Versiegelung entfernt wurde. Werden also eingeschweißte Lebensmittel geöffnet, ist eine Rückgabe im Regelfall ausgeschlossen.

Was, wenn die Pizza kalt ist?

Heißt das jetzt, ich muss die Pizza in jedem Fall annehmen? Zum Glück nicht! Aber man sollte sich, bevor man bezahlt, den Inhalt zeigen lassen, ob nicht doch irgendein tollpatschiger Pizza-Bäcker Anchovis anstelle von Salami draufgelegt hat. Und auch eine kalte Pizza entspricht sicher nicht der Bestellung – sie ist daher mangelhaft und muss nicht abgenommen werden.

Pünktlich sind die selten

Immer wieder für Ärger sorgen verspätete Lieferungen. Das Problem dabei: Die wenigsten Pizza-Services lassen sich auf eine fest Terminvereinbarung ein. Doch die Zusage „dauert ’ne halbe Stunde“ reicht nicht, eine Verspätung zum Anlass für einen Vertragsrücktritt zu nehmen. Was man dann tun muss: Den Lieferanten nochmals anrufen und ihm eine feste Zeit setzen (möglichst unter Zeugen). Verspätet sich die Bestellung danach immer noch, darf man vom Vertrag zurücktreten. Das heißt: Man schickt den Pizza-Boten dann mit seiner Lieferung wieder weg. Und das Geld behält man natürlich – ebenso wie den Hunger.

Lenßens Tipp: Darf der Pizzaservice einen Aufpreis verlangen, wenn ich im oberen Stock wohne?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 312g BGB

Pizzabote an Tür

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Widerrufsrecht bei Pizza-Klausel
Die Theorie: Jede Ware, die man im Versandhandel bestellt – ob nun online oder aus dem Katalog - kann man ohne Begründung innerhalb von 14 Tagen zurück...
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18.06.2016 10:11
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