Was tun bei provozierten Unfällen?

Samstag, 05.03.2016 PK

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungen (GDV) veröffentlicht eine alarmierende Zahl: Jeder zehnte Autounfall wird absichtlich herbeigeführt! Die Täter machen damit ein lohnendes Geschäft: Sie kassieren das Geld von der Versicherung, lassen das Auto aber unrepariert – und bauen damit gleich den nächsten Crash. Doch was tun, wenn man Opfer wird?…

Im Regelfall ist ein provozierter Unfall nicht auf den ersten Blick zu erkennen – zu gut tarnen die Unfalltrickser ihr Vorgehen. Doch Versicherungs-Experten kennen drei spezielle Situationen, die jeden „zufällig“ in einen Unfall verwickelten Autofahrer alarmieren sollten:  

Die häufigsten Tricks:

• Der erzwungene Spurwechsel. Bei einer Fahrbahnverengung oder in einem Kreisverkehr wird so geschickt getrickst, dass die Autos seitlich zusammenstoßen. Oft sind zwei Täter-Fahrzeuge beteiligt. Der eine drängelt, man selbst weicht aus und kollidiert mit dem zweiten Täter-Auto. Der Drängler haut ab.

• Die Ampel-Falle.  Eine Ampel springt von Gelb auf Rot, im letzten Moment bremst der Unfall-Provokateur abrupt ab. Die Folge: ein Auffahrunfall, an dem der Auffahrende die Schuld bekommt. Denn der Vordermann hatte ja einen triftigen „verkehrsbedingten“ Grund, anzuhalten. 

• Der Rechts-vor-Links Hinterhalt.  Hier legen sich die Unfall-Trickser vor allem in der Dämmerung auf die Lauer: Freundlich halten sie trotz eigener Vorfahrtberechtigung an und winken das arglose Opfer durch. Doch dann  geben sie plötzlich Gas – es kracht. Und wie aus dem Nichts tauchen auch noch Zeugen auf, die für den Unfall-Provokateur aussagen.

Ruhe bewahren, Fotos machen

Klingt alles so, als hätte man als Opfer keine Chance. Hat man aber doch! Worauf man achten sollte, um einen Verdacht zu erhärten: Der Täter fährt ein sehr teures, relativ neues Auto, das allerdings schon ein paar Kratzer und Dellen hat. Machen Sie als Betroffener deshalb unbedingt Fotos von der Unfallstelle, eine Nahaufnahme vom Treffer und rundum vom gegnerischen Auto. Machen Sie Nahaufnahmen auch von bereits vorhandenen Schäden, die mit Ihrem Unfall nichts zu tun haben.

Nicht vom Unfallgegner hetzen lassen

Der Täter wird Sie immer zur Eile drängen, damit Sie bei Ihrer Beweissicherung Fehler machen. Rufen Sie in solchen Verdachtsfällen immer die Polizei. Fertigen Sie zu Hause eine Unfallskizze an. Wichtig dabei: die Straßennamen. Wer einen provozierten Unfall vermutet, sollte das unbedingt seiner Versicherung sagen – die geht dem Verdacht fast immer nach. Klärt sich der Versicherungsbetrug später auf, muss der Täter mindestens mit einem Bußgeld, im Falle eines Personenschadens sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Frankfurt – 16 U 195/03

Oberlandesgericht Hamm – 6 U 177/98

Oberlandesgericht Hamm – 6 U 173/93

Oberlandesgericht Frankfurt – 22 U 12/88

Telefonanrufe nach Autounfall

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05.03.2016 15:31
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