Wann verjährt eine Vergewaltigung?

Freitag, 17.07.2015 PK

Generell richtet sich die Verjährung - also wenn der Täter für das, was er verbrochen hat, nicht mehr bestraft werden kann -  immer nach der Schwere einer Straftat. Bei Sexualstraftaten liegt die Verjährungsfrist zwischen drei und 20 Jahren. Dazu muss man wissen, dass diese Frist manchmal erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers beginnt.

Vielen Opfern von Sexualstraftaten gelingt es wegen ihrer Traumatisierung für eine lange Zeit nicht, Anzeige zu erstatten. Dabei ist gerade die sofortige Beweissicherung enorm wichtig, um den Täter zu überführen. Opfer, die als Kind missbraucht wurden und erst als Erwachsene einen Strafprozess in Gang bringen, können oft nicht mehr auf eine Verurteilung des Täters hoffen, weil die Tat verjährt ist.

Bereits nach fünf Jahren verjähren: 

  • Sexueller Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen (§ 174 StGB), 
  • von Gefangenen, 
  • behördlich Verwahrten oder Kranken und Hilfsbedürftigen (§ 174a StGB), 
  • sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung (§ 174b StGB) oder unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses (§ 174c StGB)                                                 

Am 23. Geburtstag ist die Chance vertan

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Täter Körperkontakt zum Opfer hatte oder nicht. Wichtig zu wissen: Hier beginnt die Verjährung erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Ein Strafprozess kann also auch dann noch zur Verurteilung führen, wenn das Opfer noch vor seinem 23. Geburtstag Anzeige erstattet. Danach ist es zu spät, obwohl man weiß, dass viele der Opfer erst Jahrzehnte später und im Zweifel erst als Erwachsene oder sogar ältere Menschen sich eingestehen, was in ihrer Kindheit passiert ist…

Entscheidend ist der Körperkontakt

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern (§§ 176 und 176a StGB) unter 14 Jahren beträgt die Verjährungsfrist nur dann 5 Jahre (beginnend mit dem 18. Geburtstag), wenn der Täter sexuelle Handlungen an sich selbst, aber nicht an dem Kind vorgenommen hat – im Klartext:  ohne das Kind zu berühren. Mit Körperberührung, aber ohne Eindringen in den Körper des Kindes, verjährt die Straftat erst nach 10 Jahren. Das gilt auch, wenn der Täter das Kind zwingt, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen.

20 Jahre kommt der Täter nicht davon

Handelt es sich um einen besonders schweren Fall (§ 176a StGB), weil der Täter schon einmal wegen einer solchen Tat verurteilt wurde oder er den Beischlaf mit dem Kind vollzieht z.B. mit Gegenständen in den Körper des Kindes eindringt, verjährt die Straftat erst nach 20 Jahren. Das gilt auch, wenn er das Kind der Gefahr einer schweren seelischen oder körperlichen Schädigung aussetzt.

Besonders schwere Fälle und Ausnahmen

Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung (§ 177 StGB), die mit Gewalt oder mit einer Drohung oder unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage  einhergehen, verjähren nach 20 Jahren.

Jugendliche (unter 18 Jahre), die in einer Zwangslage oder gegen Entgelt zum Opfer sexuellen Missbrauchs werden, müssen sich mit ihrer Anzeige beeilen. Zwar verjährt die Tat auch erst nach 5 Jahren – die Frist beginnt aber, sobald die Tat beendet ist – und nicht erst bei Volljährigkeit.

Wichtig zu wissen:

In besonders schweren Fällen ruht die Verjährungsfrist bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, d.h. das Opfer kann dann eine solche Tat noch anzeigen, bis es 41 ist.

Was du bei sexueller Belästigung tun kannst, erfährst du hier bei fem.com

Junge auf Bank

Weitere Artikel

article
4620
Wann verjährt eine Vergewaltigung?
Generell richtet sich die Verjährung - also wenn der Täter für das, was er verbrochen hat, nicht mehr bestraft werden kann -  immer nach der Schwere ein...
/news/aktuell/wann-verjaehrt-eine-vergewaltigung
17.07.2015 12:39
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/kind-bank-getty_images/95031-1-ger-DE/kind-bank-getty_images_contentgrid.jpg
Aktuell

Kommentare