Unter der Dusche verbrüht – 750 Euro Schmerzensgeld

Dienstag, 13.10.2015 PK

Das muss ein gehöriger Schock gewesen sein, und ein schmerzhafter noch dazu: Eine Frau steht in einem Düsseldorfer Hotel unter der Dusche, und plötzlich wird das Wasser so heiß, dass sie sich Verbrennungen zweiten Grades zuzieht. Dass solch ein Fall vor Gericht landet, ist klar. Wir wollten aber wissen: Ist das technisch überhaupt möglich?…

Ist es! Und es kommt in alten Miethäusern sogar recht häufig vor, wenn man den Einträgen im Internet glaubt. Wie das funktioniert: Die Dusche hat eine normale Mischbatterie ohne Thermostat, der die maximale Temperatur auf 38 Grad begrenzt. Heißes und kaltes Wasser werden also bei richtiger Einstellung einfach nur angenehm gemischt. Jetzt stellt der Nachbar aber unten die Waschmaschine an, und der Nachbar oben betätigt die Klospülung. Das kalte Wasser hat plötzlich keinen Druck mehr, aus der Dusche kommt nur noch „kochend“.

Veraltete Installationen

Auch das Düsseldorfer Hotel verfügte nicht über einen Thermostat-Mischer an der Dusche, sondern zwei einzelnen Stellrädern. Zum Unglück der Frau ließ sich dann auch noch die Schiebetür der Duschkabine nicht schnell genug öffnen, um vor dem siedenden Regen zu fliehen. Die Frau behielt auf dem Rücken drei handtellergroße weiße Flecken zurück –schmerzfrei war sie erst nach zwei Wochen.

Ein fauler Vergleich

Nur zu verständlich, dass man es in solch einer Situation nicht bei einem „sorry, aber das ist bei uns noch nie passiert“ bewenden lässt. Das Opfer verlangte 3.000 Euro Schmerzensgeld, das Hotel wies diese Forderung zurück – und am Ende landete der Fall „bösen Dusche“ im Verhandlungssaal  „2.138“ des Amtsgerichts Düsseldorf, in dem sich der Richter allerdings nicht überwinden konnte, ein Urteil zu sprechen. Stattdessen bot er einen Vergleich an: 500 Euro, und die Sache sei vom Tisch. Diese Summe war zwar zu gering, den Vergleich aber hielt die verbrühte Frau für okay – 750 Euro akzeptiert sie schließlich.

Prozesskostenrisiko ohne Schrecken

Übrigens: Der Einbau von Sicherheitsarmaturen in Hotelduschen ist bis heute keine Vorschrift. Und hätte die Frau den Vergleich nicht akzeptiert, wäre sie ein Prozesskosten-Risiko von 1.567,56 Euro eingegangen, sagt der Prozesskosten-Rechner unseres Partners, der Roland-Rechtsschutz-Versicherung („www.der-prozesskostenrechner.de“). Und da ist das sicherlich notwendige technische Gutachten noch gar nicht mit drin. Das bedeutet im Klartext : Wer sich in solchen Fällen durchsetzen will, kommt ohne Rechtsschutzversicherung nicht weiter!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Düsseldorf: 31 C 12351/14

Duschkopf

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