Trauer ist kein Grund, eine Reise zu stornieren

Samstag, 12.03.2016 PK

Im Regelfall übernimmt eine Reiserücktrittsversicherung die Stornokosten, wenn eine Reise wegen des Todes eines nahen Angehörigen abgesagt wird. Aber dieser Fall birgt ein überraschendes Detail, das die Versicherung von der Zahlungspflicht befreite…

Eine Frau buchte Ende 2013 für sich und ihren Ehemann eine zehntägige Reise, die im Sommer 2014 stattfinden sollte. Am 30. April 2014 beantragte sie eine Reiserücktrittsversicherung. In der Nacht darauf verstarb der Ehemann überraschend. In Unkenntnis dieses Trauerfalls nahm die Versicherung den Antrag am 7. Mai an. Und – um diese bemerkenswerte Chronologie abzuschließen: Die Frau stornierte die Reise am 20. Mai – also rund drei Wochen nach dem Tod ihres Mannes. Die Stornokosten des Reiseveranstalters (3.441,60 Euro) wollte sie erstattet haben.

Unglaubwürdige Angaben

Zur Begründung gab die Frau an, sie habe nach dem Tod ihres Mannes an einer schweren Belastungsstörung gelitten, wodurch der Reiseantritt unmöglich gewesen sei. Schon an dieser Stelle werden die Ausführungen der Frau unglaubwürdig. Denn wer soll es für bare Münze nehmen, dass sie ohne diese Belastungsstörung knapp einen Monat später allein in den Urlaub gefahren wäre – bzw. wer hätte wohl anstelle des Ehemannes mitfahren sollen?

Trauer ist keine Krankheit

Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Tatsache aber ist: Die Versicherung lehnte die Zahlung ab, die Frau klagte und verlor vor dem Amtsgericht München. Denn: „Eine akute Belastungsreaktion wegen der Trauer um den verstorbenen Partner ist keine unerwartet schwere Erkrankung im Sinne der Versicherungsbedingungen. Daher gibt es auch keinen Anspruch auf Erstattung der Stornokosten.“

Was hätte hier anders laufen müssen?

Erstens hätte die Frau die Reiserücktrittsversicherung besser gleich mit der Buchung abgeschlossen. So aber hatte sie den Vertrag erst in Händen, als ihr Mann bereits tot war. Der Rücktrittsgrund trat also ein, bevor es einen Versicherungsvertrag gab. Zweitens: Den Todesfall hätte die Frau (bestehender Vertrag vorausgesetzt), sofort melden müssen, und nicht erst Wochen später. Denn dies stellt eine sogenannte „vorsätzliche Obliegenheitsverletzung“ dar, die eine Versicherung grundsätzlich von allen Verpflichtungen befreit. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht München, Urteil vom 20.08.2015 – 233 C 26770/14

Frisches Grab mit Nelken

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