Tod der Mieterin verschwiegen – Mitbewohner müssen ausziehen

Montag, 24.04.2017

Ein skurriler Fall aus München: Nachdem ein Vermieter erst nach zehn Monaten vom Tod der Hauptmieterin erfuhr, kündigte er den Mitbewohnern. Das Münchner Amtsgericht gab dem Vermieter Recht. 

Am vergangenen Freitag wurde ein trauriger wie makabrer Rechtsfall aus München veröffentlicht. Einer Frau war der Mietvertrag gekündigt worden, weil sie den Tod ihrer Mutter, der Hauptmieterin, verschwiegen hatte. Sie war zusammen mit ihrer Tochter und deren Sohn bereits vor dem Tod der Mutter mit in die Wohnung gezogen – mit dem Einverständnis des Vermieters. Aber nach dem Tod der Mutter gerieten die jetzigen Mieter in Zahlungsschwierigkeiten. Der Vermieter wurde misstrauisch und erfuhr dann auf Nachfrage bei der Bewohnerin, dass die Hauptmieterin schon vor zehn Monaten verschieden war. Die Räumungsklage gegen die Mitbewohner der Verstorbenen kam im August 2016 vor Gericht. Die Bewohner wandten nämlich ein, die Kündigung sei unwirksam.

Vertragswidrige Handlung der Mitbewohner

Die Richter des AG München sahen jedoch zwei Gründe, dem Vermieter Recht zu geben: Zum einen die Unzuverlässigkeit der Bewohner, zum anderen ihre Zahlungsunfähigkeit. Natürlich hatte die Unzuverlässigkeit – die Angst, den Tod der Hauptmieterin zu gestehen – aus den finanziellen Schwierigkeiten resultiert. Der Schufa-Eintrag der Beklagten hatte mehrere negative Einträge aufgewiesen. Zudem ist der angespannte Wohnungsmarkt in München bekannt. Trotzdem stelle das Verschweigen des Todes der Hauptmieterin laut AG München eine „konkrete Erschütterung des Vertrauens in die Zuverlässigkeit und künftige Vertragstreue“ der Mieter dar. Das Verhalten der Mitbewohner war „vertragswidrig“ und die Kündigung des Mietvertrags deshalb rechtskräftig.

Schwacher Trost für die Münchner Mieter

Einen kleinen Trost hatten die Mieter noch: Sie bekamen vom Gericht fünf Monate Zeit, um die Wohnung zu räumen. Schließlich waren sie bei der Wohnungssuche auf soziale Behörden angewiesen.

Textbezogenes Urteil:

Urt. v. 18.08.2016, Az.: 432 C 9516/16

Symbolbild Auszug

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24.04.2017 14:14
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