Justiz-Skandal: Wenn Richter ins Gefängnis müssen

Samstag, 24.01.2015 PK

Zunächst schwieg der Mann zu allen Vorwürfen. Doch dann zerfiel die eisenharte Fassade des ehemaligen Richters: Er gestand, die Prüfungslösungen fürs Staatsexamen an angehende Juristen verkauft zu haben, teils gegen hohe „Honorare“: Bis zu 10.000 Euro soll der 48-Jährige von einzelnen Studenten eingeheimst haben.

30.000 Euro in bar und eine geladene Waffe hatte Ex-Richter Jörg L. bei sich, als er im April 2014 in einem Mailänder Hotel verhaftet wurde. Wollte er wirklich, wie er selbst behauptet, Selbstmord begehen, weil ihn seine Geliebte verlassen hatte? Oder waren Geld und Waffe eher ein weiteres Zeichen für das Ausmaß seiner Kriminalität?

U-Haft wegen Fluchtgefahr

Immerhin sitzt Jörg L., unter anderem angeklagt wegen Bestechlichkeit, Geheimnisverrat und Nötigung, trotz seines einstündigen Geständnisses immer noch in Untersuchungshaft, weil Fluchtgefahr besteht. Angesichts der zu erwartenden Strafe kein Wunder: Ihm drohen durch das Landgericht Lüneburg bis zu zehn Jahre Haft. 

Er reißt sie alle mit

Doch durch das Geständnis kam auch zu Tage, wer sich auf diesen verhängnisvollen Deal eingelassen hatte. Deswegen droht nun unter anderem einer jungen Referendarin, mit der der Mann eine intime Beziehung hatte, und weiteren 14 Juristen die Aberkennung ihrer Abschlüsse. So hat das niedersächsische Landesjustizprüfungsamt bereits neun Juristen aufgefordert, ihre Zeugnisse zurückzugeben.

Im Knast gibt’s erst Recht Probleme

Sollte der frühere Richter verurteilt werden, ist seine juristische Karriere damit für alle Zeiten beendet, denn dann dürfte er weder als Richter noch als Anwalt jemals wieder tätig werden. Bliebe ihm nur, im Knast seine Zellengenossen zu „beraten“. Falls die ihn überhaupt zu Wort kommen lassen – denn ein ehemaliger Richter hat hinter Gittern ganz bestimmt keinen leichten Stand… („Merkliste für die Zellenwand: 7 Dinge, die Sie im Knast wissen müssen“)

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Vorteilsnahme § 331 StGB, Bestechlichkeit § 332 StGB, Verletzung des Dienstgeheimnisses § 353b, Nötigung § 240 StGB

Handschellen

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