Deutschlands „nettester“ Einbrecher

Dienstag, 28.04.2015 PK

Im Bericht der Bremer Polizei findet sich ein seltsamer Eintrag: Ein Einbrecher bedankt sich für die Nachlässigkeit der Hausbewohner, weil sie ihm seine „Arbeit“ so schön leicht gemacht haben…

Nachdem er die Keller des Mehrfamilienhauses in der Daniel-von-Büren-Straße in der Bremer Bahnhofsvorstadt ausgeräumt hatte, machte sich der Einbrecher die Mühe, eine Nachricht an die Bewohner des Hauses zu verfassen. Im Treppenhaus fand sich ein Zettel, auf dem der dreiste Täter die Bewohner des Hauses verhöhnt. Sein Job werde immer schwieriger, schreibt er, weil sich immer mehr Bürger gegen Einbruch schützen würden. Anders in diesem Haus… Deshalb bedankte sich der Einbrecher herzlich für das Entgegenkommen und schloss seine Botschaft auch noch mit dem Gruß: „Bis zum nächsten Mal!“

Schwere Sicherheitsmängel im Haus

Polizei und Hausbewohner fanden die Message alles andere als komisch. Doch nachdem sie diese Frechheit einigermaßen verdaut hatten, fanden die Beamten denn tatsächlich bei einem Rundgang durch das Haus zahlreiche Sicherheitsmängel: Die Haustür fiel nicht mehr ins Schloss, und die eigentlich verschlossenen Zwischen- und Kellertüren standen offen. Auch die Vorhängeschlösser an den Kellerverschlägen stellten keine wirklichen Hindernisse für Einbrecher dar.

Die erschreckende Statistik

Insgesamt steigt die Zahl der Einbrüche in Deutschland rasant an. Besonders auffällig ist Baden-Württemberg. Dort schnellte die Zahl der erfassten Fälle um mehr als 30(!) Prozent nach oben. Aber auch in Nordrhein-Westfalen registriert die Polizei den höchsten Stand an Fällen seit 1995. Und die bundesweite Aufklärungsquote ist beklagenswert gering: 15,7 Prozent der Fälle, also nur etwa jede sechste Tat, wird aufgeklärt. 

Und es gibt nur noch ein Rezept

Die Landeskriminalämter führen die steigenden Fallzahlen unter anderem auf gut organisierte Einbrecherbanden zurück. Und diesen Profis ist bei der abnehmenden Personalstärke der Polizei kaum noch beizukommen. Zumal es regelrechte „Einbruchsgruppen“ gibt, die aus dem Ostblock angeheuert werden und pro Einbruch 50.- Euro bekommen. Sie zu schnappen, ist kaum noch möglich, da diese Gruppen meist nur kurze Zeit in Deutschland bleiben und nach erledigtem Job sofort wieder in ihre Heimat zurückkehren. Deshalb scheint ein neues, erfolgsversprechendes Rezept großangelegte Verkehrskontrollen - auch an Autobahnen - zu sein. Beschweren wir uns also nicht, wenn wir auf dem Weg in den Urlaub unerwartet kontrolliert werden – vielleicht hilft der Einsatz ja, einem Einbruchsopfer sein Eigentum zurückzugeben.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Besonders schwerer Fall des Diebstahls § 243 StGB 

Diebstahl mit Waffen, Bandendiebstahl, Wohnungseinbruchdiebstahl § 244 StGB

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