Piraten im Golf von Aden: Schon wieder wollte ein Täter jetzt in Deutschland Asyl

Mittwoch, 09.09.2015 PK

Am 8. April 2011 brachten bewaffnete Piraten das Frachtschiff „Susan K“ im Golf von Aden unter ihre Kontrolle. Die Entführer nahmen die zehn Besatzungsmitglieder als Geiseln. Mannschaft und Schiff kamen erst wieder frei, als die Reederei rund 3,5 Millionen Euro Lösegeld zahlte. Doch jetzt nimmt der Fall eine überraschende Wendung…

Einen der Piraten hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück nämlich in Deutschland aufgespürt – ausgerechnet in einem Asylantenheim. Der Täter, der zum Tatzeitpunkt gerade erst 14 Jahre alt war, konnte jetzt anhand von Fingerabdrücken identifiziert werden. Reine Routine übrigens, dass die Fingerabdrücke von Asylbewerbern bei ihrer Registrierung in Deutschland digital gespeichert werden.

Beweise eindeutig – leugnen zwecklos

Der Verdächtige, inzwischen 18 Jahre alt, wurde vor zwei Wochen in einer Asylbewerberunterkunft im baden-württembergischen Reutlingen festgenommen. Er hat gestanden, als Mitglied einer rund zwölf Mann starken Bande an der Schiffsentführung beteiligt gewesen zu sein. Eine Ausrede oder das Leugnen der Tat würden wahrscheinlich auch gar nicht helfen: Die Ermittler fanden nach der Befreiung der „Susan K“ jede Menge Fingerabdrücke und DNA-Spuren.

Ein Paradies für Piraten?

Auf dieselbe Weise ist den Staatsanwälten übrigens schon einmal ein gefährlicher Pirat ins Netz gegangen: Der war zum Zeitpunkt der Entführung der „Susan K“ 17 Jahre alt – deshalb wurde er im Februar dieses Jahres vom Landgericht Aurich zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Und 2014 war ein 44-jähriger Somalier vom Landgericht Osnabrück zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er gehörte zu den Entführern des Tankschiffes  „Marida Marguerite“ und hatte ebenfalls in Deutschland Asyl beantragt.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Angriffe auf den Luft- und Seeverkehr § 316 c StGB, Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren

Öltanker

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09.09.2015 09:26
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