Wenn Freunde beim Helfen einen Schaden verursachen…

Freitag, 10.04.2015 DOD

Wer umzieht, ist für jede helfende Hand dankbar. Um Geld zu sparen, setzen viele Menschen lieber auf Freunde und Bekannte als auf ein Speditionsunternehmen. Doch Achtung: Falls etwas zu Bruch geht, kann der Umzug nicht nur zur Zerreißprobe für die Freundschaft werden – es drohen auch hohe Kosten und juristische Folgen…

Ein freiwilliger Umzugshelfer lehnte Bretter so an den Umzugs-Lkw, dass sie auf ein daneben parkendes Auto fielen und einen Schaden anrichteten. Nun ging der Streit los, wer dafür zu zahlen hatte. Der Helfer oder der Umziehende?

Wer haftet?

Nun, grundsätzlich muss zwar derjenige, der einen Schaden verursacht, auch dafür gerade stehen. Doch bei Freundschaftsdiensten oder Gefälligkeiten gehen die Gerichte in aller Regel davon aus, dass die Beteiligten stillschweigend einen Haftungsausschluss zumindest für Schäden aufgrund leichter Fahrlässigkeit vereinbart haben.„Der Helfer sei nicht verantwortlich“, urteilte das Gericht. „Niemand würde mehr bei Umzügen helfen, wenn er solche Schäden begleichen müsste“. Zahlen musste also der Umziehende.

Gefälligkeiten mit Gefahr, nicht nur beim Umzug 

Das bedeutet im Klartext: Verursachen freiwillige Helfer beim Umzug aus „Schusseligkeit“ einen Sachschaden, haften sie nicht dafür. Nur, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit im Spiel sind, drohen dem Verursacher rechtliche Folgen. Dies gilt übrigens nicht nur für Umzüge, sondern auch für andere Gefälligkeiten: Wenn etwa der Nachbar beim Blumengießen die chinesische Vase von der Fensterbank stößt oder die Nichte beim Babysitten Kakao auf den Teppich schüttet. Anders gesagt: Wem Freunde unentgeltlich unter die Arme greifen, der kann sie im Schadensfall juristisch meist nicht belangen.

Umzugsfirmen müssen immer zahlen

Anders sieht es aus, wenn die Parteien einen Vertrag aufgesetzt und eine angemessene Bezahlung vereinbart haben. Dann wäre es keine Gefälligkeit mehr – und der Verursacher müsste gegebenenfalls für den Schaden zahlen. Dies gilt auch für professionelle Umzugsfirmen. Weil Umzüge ihr Gewerbe sind, haften sie auf jeden Fall für Schäden – auch wenn sie aus Versehen verursacht wurden. Generell ratsam ist trotzdem der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung. Sie hilft, Streit ums Geld zu vermeiden.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Plettenberg, Urteil vom 03. November 2006, Az.: 1 C 345/05

Zerbrochenes Geschirr

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