Aus der Traum auf dem Fernsehschiff

Sonntag, 24.01.2016 DOD

Ein Ehepaar freut sich auf die lange ersehnte Urlaubsreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Doch statt Ruhe und Erholung gibt es Schauspieler und Dreharbeiten. Denn das Paar ist, ohne es zu wissen, auf dem „Traumschiff“ des ZDF gelandet. Dort wird die bekannte Fernsehserie gedreht. Und das, so ein Gericht, ist ein Reisemangel…

Die 82 und 79 Jahre alten Eheleute ahnten nichts. Sie buchten eine 26 Tage dauernde Kreuzfahrt von Vietnam nach Neuseeland auf der „MS Amadea“ für 11.080 Euro. Doch was die erfahrenen Kreuzfahrer nicht wussten: Das relativ kleine Schiff mit 600 Passagieren ist seit Anfang 2015 Drehkulisse fürs die ZDF-Serie „Traumschiff“. Entsprechend waren immer Teile des Luxusliners, vor allem das Promenadendeck, für Aufnahmen mit Sascha Hehn als Kapitän, Heide Keller als Chefstewardess und Harald Schmidt als Kreuzfahrtdirektor gesperrt. Für zahlende Passagiere war dieser Bereich tabu.

Megafon-Befehle statt Ruhe und Erholung

Und nicht nur, dass das Ehepaar nicht auf Deck durfte: es wurde außerdem gestört durch ständiges lautes Hämmern, Sägen und Megafon-Anweisungen. „Als Passagier sei man stets auf der Flucht vor dem Filmteam gewesen“, sagten sie später vor Gericht aus. 

Gericht: Dreharbeiten sind ein Reisemangel

Das Urteil: Wegen Beeinträchtigung durch den Dreh während ihrer Kreuzfahrt bekommen die beiden Rentner nun Geld zurück. Das Amtsgericht Bonn gab ihrer Klage auf Reisepreisminderung statt: Das Bonner Reiseunternehmen, das verantwortlich war für die Kreuzfahrt, muss dem Paar 1.022,76 Euro zurückzahlen. Das entspricht einer Minderung um 20 Prozent an zwölf Drehtagen.

Das Promenadendeck ist für alle da

Es gehöre zum Vertrag einer ordnungsgemäßen Reise“, so das Urteil der Bonner Amtsrichterin, dass „Passagiere jederzeit alle Freizeitmöglichkeiten nutzen könnten. Einschränkungen beispielsweise durch die Absperrungen des Promenadendecks für die Dreharbeiten seien ein Reisemangel und müssten nicht hingenommen werden“.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Bonn, Urteil vom 15. Januar 2016, Aktenzeichen: 101C 423/15

Abend auf Promenadendeck

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Reisemangel Traumschiff
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24.01.2016 10:30
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