Fortsetzung im Justiz-Skandal: Richter im Gefängnis, jetzt sind die Referendare dran

Dienstag, 26.07.2016 MLK

Ein Richter vor Gericht! Doch dass er Referendaren vor der Prüfung geheime Examensklausuren verkaufte, wurde schlußendlich nicht nur ihm zum Verhängnis, sondern nun auch den Referendaren, die dafür bereitwillig zahlten…

Wir berichteten bereits über den Fall („Justiz-Skandal: Wenn Richter ins Gefängnis müssen“), und im Februar verurteilte nun das Landgericht Lüneburg den ehemaligen Richter abschließend zu 5 Jahren Haft wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall, versuchter Nötigung und Verrat von Dienstgeheimnissen. Der Mann hatte Examens-Klausuren gegen Sex und Geld an interessierte Referendare weiter gegeben, sodass diese im schweren, zweiten juristische Staatsexamen betrügen konnten. 

Erster Ex-Referendar verurteilt

Und genau deswegen wurden nun auch die Referendare, die dieses unseriöse Angebot in Anspruch genommen hatten, in die Verantwortung genommen: Ein erster Ex-Referendar wurde bereits vom Amtsgericht Celle wegen Bestechung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Weitere 14 Examenskandidaten, die mit Hilfe des Herrn L. ihre Prüfung geschrieben hatten, stehen noch auf der Liste. Das Pikante dabei: Manche hatten sogar dank ihrer guten Noten kurzzeitig im Staatsdienst arbeiten können.

Prüfung zu schwer?

Betrug bleibt natürlich Betrug. Dennoch muss man sich über das System des Jurastudiums tatsächlich Gedanken machen: Auf den Prüflingen lastet im ersten wie im zweiten Examen ein Druck, der in keinem anderen Studium höher sein könnte. Denn nur diese zwei Endprüfungen sind für das Abschlusszeugnis ausschlaggebend. Die Durchfallquoten sind enorm hoch und jedes Examen kann nur einmal wiederholt werden. Wenn man also beim zweiten Versuch erneut durchfällt, steht man nach 10 Semestern Studium ohne Abschluss und Perspektive da. Vielleicht zeigt daher der Fall des Richters Jörg L., dass es tatsächlich an der Zeit wäre, an der Prüfungsordnung grundsätzlich etwas zu ändern…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Urt. v. 26.02.2015, Az. 33 KLs 20/14

§§ 332, 240, 353b StGB

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