Wie teuer ist eigentlich der „Idiotentest“?

Samstag, 19.12.2015 PK

Wer seinen Führerschein wegen eines Alkoholvergehens abgeben muss, fühlt sich verständlicherweise allein schon wegen der Sperrzeit bestraft genug. Doch die Strafe wird extrem verschärft, wenn eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) angeordnet wird. Denn das wird dann richtig teuer…

Viele werden jetzt sagen: Ist doch nur gerecht, dass Alkoholsünder tüchtig Lehrgeld bezahlen. Mag schon stimmen. Uns soll es hier aber nicht um die moralische Bewertung gehen, sondern um die Aufklärung über die anfallenden Kosten. Denn das könnte den einen oder anderen auf der Stelle zum Abstinenzler werden lassen.

Die Gebührenordnung gibt alles vor

Zunächst einmal zur Klärung: Die Kosten für eine MPU sind keineswegs willkürlich, sondern in der Anlage zu § 1 der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr festgelegt. Für einen Test im Zusammenhang mit Alkoholvergehen sind 338,00 Euro zu zahlen. Doch das ist meistens der geringste Teil: dazu kommen nämlich meist weitere Kosten für Gutachten, Screenings und Anwälte.

Diese Kostenbeispiele veranschaulichen das:

• 402,22 Euro für die MPU wegen Fahren unter Alkoholeinfluss

• 347,48 Euro bei zu vielen Punkten in Flensburg

• 575,96 Euro bei Alkoholauffälligkeit und zu hohem Punktekonto

• 554,54 Euro wegen Fahren unter Drogeneinfluss

• 728,28 Euro wegen Fahren und Drogeneinfluss und Punktevergehen

• 755,65 Euro wegen Fahren unter Drogen- und Alkoholeinfluss

• 347,48 Euro aufgrund einer Straftat.

Die Krankenkasse zahlt das nicht

Dazu kommen unter Umständen Urintests, Haaranalysen, eine ärztliche Bestätigung korrekter Leberwerte sowie die Kosten für Vorbereitungskurse, die jeweils aus eigener Tasche zu zahlen sind. Und die man ein zweites Mal aufwenden muss, sollte man den Test nicht bestehen.

Und dann bitte nochmal zur Schule 

Wer unvorbereitet in die MPU geht, sollte dieses Geld gleich mit einplanen. Denn die Chancen, zu bestehen, sind ohne Vorbereitung verschwindend gering. Entsprechende Gruppenkurse kosten zwischen 500 und 600 Euro. Einzelberatung kommen auch schon mal auf 1.500 Euro. Und wird nach bestandener MPU eine Nachschulung in Sachen Verkehrsregeln gefordert, kommen noch einmal 400 Euro obendrauf. Schon bei dieser Kostenaufstellung könnte man auf die Idee kommen, dass es besser ist, einen Drink auszulassen oder doch ein Taxi zu nehmen…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Anlage zu § 1 der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr

Verzweifelter Mann

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MPU: Kosten für „Idiotentest“
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19.12.2015 13:39
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