Massencrash in der Waschanlage

Mittwoch, 29.10.2014 PK

Eine 81-Jährige fährt mit ihrem Golf in eine Waschanlage, gibt Vollgas und schiebt vier weitere Autos zu Schrott. Gibt’s nicht? Ist so passiert. In Kempen. Letzen Samstag. Laut Polizeibericht verlor die Dame nach der Vorwäsche die Kontrolle über ihr Fahrzeug, noch bevor sie den Hauptwaschgang erreicht hatte. Vielleicht wusste sie nicht, dass Autos getrocknet werden, nicht geschleudert – der Sachschaden nach dem ungewollten Schleudergang jedenfalls beträgt mehrere 10 000 Euro.

Und natürlich werden jetzt wieder die Stimmen laut, die fordern: „Nehmt den Tattergreisen endlich den Lappen weg!“ Zurecht? Wenn man den Auswertungen des Statistischen Bundesamtes glaubt, sind Senioren nur zu rund 12 Prozent überhaupt an Verkehrsunfällen beteiligt. Aber: Sie tragen meist die Schuld, wenn es denn passiert (nämlich zu 66,8 Prozent). Bei den mindestens 75-Jährigen wurde im Jahr 2013 sogar drei von vier unfallbeteiligten Pkw-Fahrern die Hauptschuld am Unfall zugewiesen (75,5 %).

Generelle Überprüfung der Fahrtauglichkeit

Allerdings kann die Fahrerlaubnisbehörde in solchen Fällen wie oben die Überprüfung der Fahrtauglichkeit anordnen. Und wenn sich bei einer Fahrprobe oder einem psychologischen Leistungstest herausstellt, dass gravierende Defizite vorliegen, kann der Führerschein für immer eingezogen werden. Das gilt selbst dann, wenn der Senior die Jahre zuvor immer unfallfrei gefahren ist!

MPU, nur weil man „alt“ ist?

Übrigens können ältere Autofahrer generell zu einer Untersuchung (MPU) verpflichtet werden. Das ergibt sich aus einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Mainz (3 L 527/01). Verweigert der Betreffende den „Idiotentest“, muss er aufs Autofahren verzichten. Auch in dem Fall ist der Führerschein für immer weg.

Unheil droht von der EU

Die Europäische Union fordert in einer Richtlinie, die Fahrtauglichkeit von Autofahrern über 50 Jahren zu überprüfen. Dies stößt in der Öffentlichkeit auf breite Kritik. Was in Australien z. B. gängige Praxis ist, lässt sich hier nicht durchsetzen. In Einzelfällen aber muss es gar nicht erst zum Unfall kommen, um den Führerschein los zu werden: Ein 80-Jähriger fiel auf einer Autobahn dadurch auf, dass er mit Tempo 30 fuhr und Mühe hatte, die Spur zu halten. Gegen den Entzug seiner Fahrerlaubnis klagte der Mann, scheiterte aber vor dem Verwaltungsgericht Köln (11 K 4325/12). Die Richter hatten nämlich in der Hauptverhandlung den Eindruck, dass der störrische Rentner wegen mangelnder Kritikfähigkeit, kombiniert mit seinen Leistungsdefiziten eine besondere Gefahr darstelle.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Mainz (3 L 527/01), Verwaltungsgericht Köln (11 K 4325/12)

Autounfall

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