Totraser zwar vorbestraft, aber auf freiem Fuß

Dienstag, 19.04.2016 PK

Den Eltern der 19-jährigen Miriam, die vor einem Jahr in Köln von zwei durchgeknallten Rasern totgefahren wurde, muss dieses Urteil wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen: Die Täter müssen nicht ins Gefängnis, dafür 150 Sozialstunden ableisten…

Gar nicht so leicht, dieses Urteil als gerecht zu empfinden. Vor allem nicht, wenn man das Schlusswort des Richters nicht gehört hat: „Wir müssen sachlich urteilen. Es geht bei Prozessen wie diesem um die persönliche Schuld der Angeklagten.“ Und genau die konnte in diesem Verfahren nicht höher bewertet werden, weil dazu ein entscheidender Beweis fehlte - nämlich der Beweis dafür, dass die beiden Angeklagten sich tatsächlich zu einem illegalen Autorennen verabredet hatten.

Keiner wollte im Rennen nachgeben

Dabei hat es zumindest den Anschein, als sei das Rennen geplant gewesen: Am 14. April 2015 heizen Erkan F. (23) und sein Kumpel Firat M. (22) mit ihren aufgemotzten Autos durch Köln. Das klassische Feindbild. Mercedes gegen BMW. Stoßstange an Stoßstange. Mit aufheulenden Motoren und überhöhter Geschwindigkeit. Bis Erkan F. auf dem Auenweg die Kontrolle über seinen BMW verliert, ins Schleudern gerät und die Studentin Miriam auf ihrem Fahrrad erfasst. Die junge Frau überlebt den Unfall nicht – beide Fahrer werden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Eine Straftat, für die das Gesetz bis zu fünf Jahre Haft vorsieht. Oder eine Geldstrafe.

Charakterliche Prüfung beim Psychologen

Doch der Richter entscheidet: Erkan F. bekommt eine Haftstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, Firat M. wird zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt, ebenfalls mit Bewährung. Beide müssen zudem jeweils 150 Sozialstunden leisten. Außerdem verhängt das Gericht je dreieinhalb Jahre Führerscheinsperre. Das bedeutet: Nach Ablauf dieser Zeit wird die Fahrerlaubnisbehörde prüfen, ob die beiden inzwischen charakterlich geeignet sind, um ein Auto zu fahren. Ohne MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung, auch „Idiotentest“) wird’s wohl nicht gehen.

Vorsatz oder nicht?

Dass die Tat ein Rennen war – darüber gibt es keine Zweifel. Unsicherheit besteht allein in der Frage, ob es ein verabredetes Rennen war, und eben kein spontanes. Dann wäre der Richter womöglich nicht zu einer Bewährungsstrafe gekommen. 

Dieses Bild lässt die Eltern nie mehr los

Mit versteinerten Gesichtern nahmen die Eltern der toten Studentin das Urteil zur Kenntnis. Nach dem Plädoyer des Verteidigers hatte sich die Mutter an die Angeklagten gewandt. Sie hob zwei Fotos hoch und sagte: „Das ist Miriam vor und nach dem Unfall. Schauen Sie genau hin!“ 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Fahrlässige Tötung § 222 StGB

Schwerer Unfall in der Stadt

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