Aufatmen für Schmerzpatienten: Gericht erlaubt erstmals privaten Cannabis-Anbau

Sonntag, 24.04.2016 PK

Nach wie vor ist Cannabis als Medikament umstritten. Nur sehr wenige Patienten bekommen es - wenn überhaupt - vom Arzt verschrieben und dürfen es in der Apotheke kaufen. Aber zu Hause selbst anbauen? Bisher hochgradig illegal! Bisher – denn jetzt lässt ein richtungsweisendes Urteil aufhorchen...

Denn erstmals konnte sich ein schwerkranker Patient vor Gericht durchsetzen: Er darf ab sofort Cannabis zu Therapiezwecken zu Hause anbauen! 

Endlich raus aus der Illegalität

Der Mann, der an Multipler Sklerose leidet, hat sich unermüdlich durch drei Instanzen gekämpft, um den Hanfanbau zu legalisieren. Denn auch ohne diese Erlaubnis hatte er den Stoff bereits seit einigen Jahren selbst gezüchtet, da er sich das teure Medikament aus der Apotheke nicht leisten konnte. Doch er war es leid, ständig unter dem Druck der „Illegalität“ leiden zu müssen. Seine Bemühungen, dafür eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang jedoch immer wieder zunichte gemacht.

Die Kasse zahlt nichts dazu...

Dank seines Einsatzes haben jetzt aber auch die anderen 600 Patienten in Deutschland, die sich Cannabis in der Apotheke besorgen dürfen, die Chance, ihre Kosten merklich zu reduzieren. Denn die Krankenkassen bezahlen trotz Rezept die Droge nicht, obwohl deren Wirksamkeit nachgewiesen ist.

... und obwohl es keine Alternative gibt...

Durch das höchstrichterliche Urteil wird das BfArM nun verpflichtet, dem „Kläger zu erlauben, Cannabis anzubauen, zu ernten und zum medizinischen Zweck seiner Behandlung zu verwenden“. Damit bestätigte das Bundesverwaltungsgericht das Urteil der Vorinstanz. „Ein anderes, gleich wirksames Medikament stehe dem Mann nicht zur Verfügung. Medizinalhanf aus der Apotheke könne er sich Kostengründen nicht leisten.“

...werden Patienten zu Kriminellen gemacht

Und obwohl dies (noch) eine Einzelfallentscheidung ist: Endlich werden chronisch kranke Patienten, denen außer einer Cannabis-Therapie nichts hilft, nicht länger wie Kriminelle behandelt. Es wir Zeit, dass sich in diesem Punkt die Gesetze ändern – schließlich kann nicht jeder zu Hause eine Plantage anlegen. Und ein einzelner Hanfstengel auf der Fensterbank dürfte für eine Dauertherapie kaum ausreichen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BVerwG 3 C 10.14

Medizinischer Cannabis

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