Nachbarschaftsstreit: Wie viel „Musikinstrument“ muss man ertragen?

Montag, 22.06.2015 DOD

Lärmbelästigung in der Nachbarschaft beschäftigt die Gerichte regelmäßig. Egal, ob Kinder Fußball spielen, der Rasen zu Unzeiten gemäht wird - oder ob wieder einmal das Töchterchen des Nachbarn zum gefühlten hunderttausendsten Male „Alle meine Entchen“ auf ihrem neuen Klavier spielt. Doch wann geklimpert, trompetet oder geflötet werden darf, darüber urteilen Gerichte sehr unterschiedlich:

Der Trommler: 

Schlagzeug ist die Leidenschaft des 17-Jährigen. Südamerikanische Rhythmen und Jazz spielt der Junge aus München am liebsten. Doch seit eine Physiotherapie-Praxis unten ins Haus gezogen ist, gibt es Ärger wegen der Musik. „Zu laut und zu oft“, so die Beschwerden. Und jetzt ist es schriftlich: Das Landgericht München I hat in zweiter Instanz entschieden, dass jeden Tag - außer Sonntag - eine halbe Stunde getrommelt werden darf. Mehr ist nicht drin.

Der Klavierspieler: 

Klavierspieler beschäftigen die Richter am meisten. Denn ob es sich um stümperhafte Fingerübungen oder virtuose Bach-Präludien handelt, spielt für die juristische Bewertung keine Rolle. Hier gilt: andere Städte – andere Gesetze: Die Bandbreite reicht von eineinhalb Stunden täglich (Amtsgericht Frankfurt) bis zu drei Stunden täglich (Bayrisches Oberstes Landgericht). 

Der Trompeter: 

Dieses Instrument kann sehr schön klingen, aber es leise zu spielen, ist fast unmöglich. Klavier und Geige haben hat die Lautstärke eines Rasenmähers, Schlagzeug und Trompete schaffen Dezibel-Werte von Motorsägen. Da ist der Krach mit dem Nachbarn fast vorprogrammiert…

Generell gilt:

Auch wenn sich immer wieder Nachbarn wegen des Lärms aufregen werden: Ein generelles Verbot, Instrumente zu spielen, ist unwirksam. Ein absolutes „Musikverbot“ darf deshalb kein Vermieter und kein Nachbar verlangen. Wichtig jedoch bei allen Instrumenten: Die Einhaltung der Mittagsruhe! Während die nächtlichen Ruhezeiten gesetzlich vorgeschrieben sind (22 bis 7 Uhr), ist für die Mittagsruhe die Hausordnung zuständig. An die Zeiten, die dort genannt sind, müssen sich alle halten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bayerisches Oberstes Landgericht, Az.: 2 ZBR 55/95

Amtsgericht Frankfurt, Az.: 2/25 O 359/89

Junger Drummer

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