Kronkorken-Gewinn muss geteilt werden

Dienstag, 07.03.2017

Wenn fünf Freunde sich streiten und keiner so wirklich gewinnt: Ein Mann fand einen Hauptgewinn in einem Kronkorken. Den Kasten Bier haben aber seine Freunde mitbezahlt. Wer gewinnt den Preis?

Bei einem gemütlichen Trip zum Edersee kaufte sich eine Gruppe von fünf Freunden gemeinsam einen Kasten Bier. Irgendwann entdeckte einer der Mitreisenden in einem achtlos herumliegenden Kronkorken einen Hauptgewinn der Krombacher Brauerei. Es handelte sich um einen 30.000 Euro teuren Audi A3 Sportback. Den riss sich der Mann allein unter den Nagel.

Die Trink-Gesellschaft?

Seine Clique fand das gar nicht lustig. Eine Frau aus der Freundesgruppe brachte die Sache vor Gericht. Die Klägerin argumentierte, die fünf Freunde hätten sich an besagtem Wochenende zu einem gemeinsamen Zweck verabredet, nämlich zum Umtrunk. Sie hätten deshalb eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gebildet. In dieser gilt Gesellschaftsrecht und deshalb auch die Pflicht, alle Gewinne zu teilen. Die Klägerin forderte ein Fünftel des Neuwertes des Wagens.

Ersatzpflicht durch Miteigentum

Das Landgericht Arnsberg folgte der Argumentation der Klägerin nicht, war aber trotzdem der Meinung, dass der Angeklagte sich ersatzpflichtig gemacht habe. Für eine BGB-Gesellschaft sei ein Rechtsbindungswillen erforderlich, der in diesem Fall nicht vorliege. Der gemeinsame Zweck sei durch das gemeinsame Biertrinken zustande gekommen, nicht mit der Absicht, eine Gewinngemeinschaft zu gründen. Trotzdem sah das LG ein Miteigentum sämtlicher Beteiligter an der eingekauften Ware. Deshalb hat derjenige unter den fünf Freunden, der den Kronkorken mit dem Gewinn achtlos zur Seite gelegt hat, auch nicht das Eigentum daran aufgegeben. Der Gewinn des Autos hätte also allen Beteiligten zugestanden.

Bei Geld hört die Freundschaft auf

Der geprellten Frau sprach das Gericht ein Fünftel des Marktwertes des Audi zu, also weniger als der geforderte Wert. Sie bekam 4330 Euro. Jetzt muss der Beschuldigte natürlich damit rechnen, dass auch die anderen Beteiligten klagen. Das Auto hat er inzwischen verkauft, nachdem er es eine Weile gefahren hatte, und lediglich 17.500 Euro dafür erhalten. Hätte er den Gewinn gleich geteilt, hätten alle mehr Geld bekommen.

Textbezogene Urteile:

LG Arnsberg vom 2.3.2017, I-10 O 151/16

Kronkorken von Bierflaschen

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