Wenn der Chef den Detektiv losschickt…

Montag, 04.05.2015 DOD

Wie weit darf ein Arbeitgeber gehen, wenn er seinen Angestellten nicht glaubt? In Münster ließ nämlich ein Chef seine Mitarbeiterin – obwohl diese eine ärztliche Krankschreibung vorlegte - von einem Detektiv überwachen. Die Frau ließ sich das nicht gefallen und verklagte ihren Arbeitgeber auf Schmerzensgeld…

Die gesundheitlich angeschlagene Angestellte - es war übrigens die Sekretärin des Firmenchefs - war vom Arzt krankgeschrieben worden. Ihrem Chef legte sie die entsprechende medizinische Bestätigung vor. Doch weil der ihr nicht glaubte, schickte er ihr einen Detektiv hinterher.

Der Schnüffler filmt, wie die Krankgeschriebene den Hund streichelt

Der Privatdetektiv verfolgte die Frau ganze vier Tage lang. Dabei machte er Fotos und Videoaufnahmen, auf denen ganz alltägliche Sachen zu sehen waren - wie die Frau z. B. am Straßenrand an der Ampel auf grünes Licht wartete oder wie sie ihren Hund streichelte. Handfeste Beweise, dass die Frau gelogen hatte und gar nicht krank war, lieferten die Bilder nicht.

Verletzung der Privatsphäre

Als der Chef ihr später diese Aufnahmen zeigte, war die Frau sauer und verlangte 10.500 Euro Schmerzensgeld. Die Überwachung sei ihrer Ansicht nach völlig überzogen und unangemessen gewesen. Zudem verletzte sie ihre Privatsphäre erheblich - unabhängig davon, ob sie nun wirklich krank war oder nicht. Der Arbeitgeber rechtfertigte sich damit, einen Verdacht gehabt zu haben, dass die Sekretärin gar nicht krank gewesen war, sondern nur nicht arbeiten wollte.

Tatsachen müssen her, Verdacht reicht nicht

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt bestätigte später die Rechtsposition der Frau. Denn: Der bloße Verdacht einer vorgetäuschten Krankheit reicht für eine Überwachung von Mitarbeitern nicht aus! (Lenßens Tipp: „Ausgehverbot“ bei Krankschreibung?) Es müssen schon konkrete Tatsachen vorliegen, sonst darf kein Detektiv losgeschickt werden. Der Frau wurde deshalb schließlich von den Richtern in der letzten Instanz ein Schmerzensgeld von 1.000 Euro zugesprochen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19. Februar 2015, Az. 8 AZR 1007/13

Mann mit Fernglas

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04.05.2015 15:32
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