Berechtigte Angst oder Hexenjagd: Kein Spenderblut von Schwulen

Dienstag, 26.05.2015 DOD

Nicht jedem, der Gutes tun möchte, ist das auch erlaubt. So dürfen homosexuelle Männer in Deutschland und anderen EU-Staaten wie Frankreich kein Blut spenden. Das entschied nun der Europäische Gerichtshof in Luxemburg…

Der Fall: Einem Franzosen wurde die Blutspende wegen seiner Homosexualität verweigert. Daraufhin ging er in Straßburg vor Gericht. Doch die Straßburger Richter taten sich schwer mit dem Fall und reichten ihn an den Europäischen Gerichtshof weiter. Und der sprach nun das Verbot aus. Und da das europäische Recht für alle Mitgliedsstaaten gilt, hat das Urteil auch Auswirkungen auf Deutschland.

„Schwule haben hohes Infektionsrisiko“

Konkret geht es also zwar um einen französischen Fall, doch auch in Deutschland dürfen homosexuelle Männer nicht zur Ader gelassen werden – zumindest nicht, wenn das Blut für andere bestimmt ist. Der Grund, den die Richter nannten: „Das Infektionsrisiko für HIV sei um ein Vielfaches höher als bei Heterosexuellen“.

Berechtigte Angst oder Hexenjagd

Auch in Deutschland gelten Schwule als Gruppe mit erhöhtem Infektionsrisiko, denn laut dem Robert Koch-Institut entfielen 2013 drei Viertel der rund 3.200 HIV-Neuinfektionen auf sie. Deshalb sah das Gericht folgendes Problem: Das gespendete Blut wird nach der Transfusion zwar untersucht. Liegt eine Ansteckung aber erst einige Tage zurück, ist sie noch nicht nachweisbar. Denn dieser Nachweis kann bei HIV vier bis sechs Wochen dauern, bei Hepatits B und C sogar bis zu drei Monaten. Allerdings bei jedem Menschen, nicht nur bei schwulen Männern…

Hintergrund

Das Blutspendeverbot für Homosexuelle gibt es bereits seit 1993. Denn damals starben mehr als 1000 Patienten an den Folgen HIV-verseuchter Blutkonserven. Um Patienten vor HIV- oder Hepatitis-Infektionen zu schützen, müssen die Spender daher mehrere strenge Kriterien erfüllen, unter anderem müssen sie Auskunft über ihr Sexualleben geben. Deshalb sind auch Heterosexuelle mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern oder Prostituierte von der Blutspende ausgeschlossen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg, Rechtssache C-528/13

Blutspende

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