Wie viel Advent ist im Büro erlaubt?

Dienstag, 01.12.2015 PK

Das Adventsgesteck auf dem Schreibtisch, Christbaumkugeln unter der Deckenbeleuchtung und kiloweise Schokoladen-Nikoläuse – das Fest der Liebe hält nun auch in deutschen Büros wieder Einzug. Doch die Liebe stößt nicht bei allen auf Gegenliebe – beim Chef nicht, auch nicht bei einigen Kollegen. Doch wie, bitte schön, sieht eigentlich die Rechtslage aus?

Eine Regelung zur Gestaltung des Arbeitsplatzes sucht man in den Gesetzen vergeblich. Allerdings steht es jedem Chef frei, seinen Mitarbeitern hinsichtlich der Dekoration Grenzen zu setzen. So wird er zum Beispiel eine blinkende Lichterkette schon deshalb untersagen, weil dadurch die Arbeitsabläufe gestört werden könnten. Auch durch Weihnachtsmusik und Duftkerzen könnte die Konzentration bei der Arbeit nachlassen - die wird ein verantwortungsvoller Chefs daher ebenfalls untersagen müssen.

Advent, Advent, die Firma brennt

Dazu kommt eine nicht zu unterschätzende Brandgefahr durch Kerzen. Werden die im Büro verboten, liegt das also nicht unbedingt an der Missgunst seitens des Vorgesetzten, sondern an seiner gesetzlichen (Arbeitsschutzgesetz) Verpflichtung, „Gefahren für Leben und Gesundheit“ von den Arbeitnehmern fernzuhalten. Deshalb dürfen Chefs offenes Kerzenlicht verbieten. Erlaubt er die Kerzen, ist jeder Angestellte verpflichtet, seinerseits für Sicherheit am Arbeitsplatz zu sogen (§ 15 ArbSchG). Das heißt: Wer zum Beispiel die brennende Kerze nicht auf einer feuerfesten Unterlage abstellt, haftet für Schäden, wenn es zum Brand kommt.

Muss ich mit zur Weihnachtsfeier?

Wem das Fest der Liebe eher lästig ist, und wem es auch an Liebe zu Kollegen mangelt, der würde sich vor der Weihnachtsfeier am liebsten drücken. Geht aber leider nicht, wenn die während der Arbeitszeit stattfindet. Zwar muss man nicht mitfeiern, aber nach Hause gehen darf man dann auch nicht. Denn in solchen Fällen besteht die Pflicht zu arbeiten. Wird wegen einer Feier der ganze Betrieb geschlossen, muss der Chef den feierunwilligen Arbeitnehmern jedoch die Zeit freigeben, ohne dafür einen Urlaubstag anzurechnen. Umgekehrt ist es übrigens nicht möglich, einzelne Beschäftigte von der Feier auszuschließen – wer gern mitfeiern möchte, darf das auch. Alles andere wäre ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht: 5 AZR 242/70

§ 15 ArbSchG

Weihnachten im Büro

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Haftung und Regeln im Advent
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01.12.2015 13:02
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